{"id":67991,"date":"2014-12-03T18:25:42","date_gmt":"2014-12-03T17:25:42","guid":{"rendered":"http:\/\/onsoftware.softonic.de\/?p=67991"},"modified":"2024-03-08T05:41:59","modified_gmt":"2024-03-08T04:41:59","slug":"googles-monopol-die-suche-ist-nur-ein-zweitrangiges-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cms-articles.softonic.io\/de\/googles-monopol-die-suche-ist-nur-ein-zweitrangiges-problem\/","title":{"rendered":"Googles Monopol: Die Suche ist nur ein zweitrangiges Problem"},"content":{"rendered":"<p>Wir lesen heutzutage viel \u00fcber Googles Marktmacht. Zahlreiche Unternehmen verklagen den Konzern aus Mountain View (Kalifornien), <strong>weil dieser angeblich eigene Dienste bevorzugt<\/strong>. Verlage wie Axel Springer setzten zusammen mit anderen Verlagen politisch das Leistungsschutzrecht durch und erreichen am Ende doch nichts &#8211; <strong>Google ist zu m\u00e4chtig<\/strong>.<\/p>\n<p>Was in dieser Diskussion aber gerne vergessen wird, sind wir Nutzer. Denn diese Macht stammt einzig und allein aus der Masse an Google-Nutzern. Finden wir ein besseres Produkt, verliert Google alles was es hat. Der Suchmaschinenkonzern ist sich dessen bewusst und setzt daher alles daran, seine Macht zu festigen.<\/p>\n<p><strong>Ein nutzerorientierter Blick auf das Google-Monopol.<\/strong><\/p>\n<h3>Das Blackberry-Syndrom<\/h3>\n<p>Ich habe vor kurzem beschlossen, einen <a title=\"Blackberry Passport\" href=\"http:\/\/de.blackberry.com\/smartphones\/blackberry-passport.html?lid=de:bb:devices:blackberrypassport&amp;lpos=de:bb:devices\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blackberry Passport<\/a> zu kaufen. Getrieben hat mich <a title=\"Meinung: Warum mich Apple zwingt einen Blackberry zu kaufen\" href=\"http:\/\/artikel.softonic.de\/meinung-warum-mich-apple-zwingt-einen-blackberry-zu-kaufen\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">meine Wut \u00fcber das Bug-verpestete iOS 8<\/a> und mein immer g\u00e4render Hass auf Android. Seither lese ich jeden Passport-Review, den ich in die H\u00e4nde bekomme und habe eine <strong>be\u00e4ngstigende Entdeckung<\/strong> gemacht: <a title=\"Blackberry Passport Review The Next Web\" href=\"http:\/\/thenextweb.com\/gadgets\/2014\/10\/14\/blackberry-passport-review-every-benefit-theres-compromise\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Journalisten wie Ben Woods von The Next Web<\/a> beschweren sich nicht \u00fcber fehlende Apps, sondern fehlende Google-Apps: Kein <a title=\"Google Authenticator bei Softonic\" href=\"http:\/\/google-authenticator.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Google Authenticator<\/a>, kein <a title=\"Google Keep\" href=\"http:\/\/google-keep.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Google Keep<\/a>, <a title=\"Ein unverzichtbarer Reisebegleiter auf der ganzen Welt\" href=\"http:\/\/google-maps.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Google Maps<\/a>, <a title=\"Per Handy auf Googles Online-Speicher zugreifen\" href=\"http:\/\/google-drive.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Google Drive<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle diese Dienste gibt es Alternativen. <strong>Doch Woods will Google und Google will ihn<\/strong>.<\/p>\n<h3>Eine erste Erkenntnis<\/h3>\n<p>Google schafft es, mit innovativen Produkten eine ganze Heerschar junger Webnutzer in seinen Bann zu ziehen und in den allseits zitierten goldenen K\u00e4fig zu sperren. Die Argumente, mit denen Google dies gelingt, sind bestechend: <strong>Google-Produkte sind gro\u00dfartig, innovativ und kostenlos<\/strong>.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns Nutzer ist das ein echter Gewinn, weshalb wir nur zu gerne <strong>Googles eigentliche Absichten<\/strong> vergessen.<\/p>\n<h3>Die Realit\u00e4t<\/h3>\n<p>Googles Gesch\u00e4ft liegt in der Suche. Und im Suchgesch\u00e4ft kommt es auf zwei Sachen an: Gr\u00f6\u00dfe und die Arbeit anderer. In seinem mehr als lesenswerten Buch <a title=\"The Master Switch bei Amazon\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Master-Switch-Aufstieg-Niedergang-Informationsimperien-ebook\/dp\/B00MIF2AOE\/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;qid=1417627018&amp;sr=8-2&amp;keywords=the+master+switch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>The Master Switch<\/strong><\/a> bringt es Autor <strong>Tim Wu<\/strong> gelungen auf den Punkt: &#8220;Indem sich [Google] auf die Saat von Inhalten [&#8230;] anderer st\u00fctzt, kann sich Google auf seine zentrale Mission konzentrieren: Suche.&#8221;<\/p>\n<h3>Googles Monopolpl\u00e4ne<\/h3>\n<p>Google ist im Suchgesch\u00e4ft schon seit geraumer Zeit eine gro\u00dfe Nummer. In Europa kommt Googles Suchmaschine in vielen M\u00e4rkten auf einen <strong>Marktanteil von 90 Prozent<\/strong>. In Deutschland <a title=\"Statista\" href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/167841\/umfrage\/marktanteile-ausgewaehlter-suchmaschinen-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">vereinte Google im September 2014 fast 95 Prozent aller Suchanfragen<\/a> in sich.<\/p>\n<p>Ich hatte in <a title=\"Meinung: Googles L\u00fcge vom freien Android\" href=\"http:\/\/artikel.softonic.de\/meinung-googles-luge-vom-freien-android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Googles L\u00fcge vom freien Android<\/a> bereits darauf hingewiesen, wie Google seine Macht im Android-Markt dazu nutzt, um eigene Dienste in den Fokus zu r\u00fccken. Der Grund daf\u00fcr ist ein ganz einfach: <a title=\"Erste Einblicke in Googles n\u00e4chstem mobilen Betriebssystem\" href=\"http:\/\/android-l-preview.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Android<\/a>, <a title=\"Gmail auf dem Android-Handy: E-Mails schreiben und mehrere Konten verwalten\" href=\"http:\/\/gmail.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Gmail<\/a>, <a title=\"Mit Google Docs Texte unterwegs bearbeiten\" href=\"http:\/\/google-docs.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Google Docs<\/a> und all die anderen Services dienen nicht, uns Nutzern die beste Software zu bringen. <strong>Diese Produkte erf\u00fcllen nur einen Zweck<\/strong>: Sie besch\u00fctzen die Marktmacht am Suchmarkt.<\/p>\n<p>Googles Strategie ist so genial wie fatal: Indem Google uns Nutzer mit innovativen Produkten nach und nach in das eigene Google Universum einsperrt, <strong>sch\u00fctzt es sich im Kerngesch\u00e4ft vor Konkurrenten<\/strong>.<\/p>\n<h3>Der Europa-Plan<\/h3>\n<p style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-68002\" title=\"European-Parliament\" src=\"https:\/\/articles-img.sftcdn.net\/sft\/articles\/auto-mapping-folder\/sites\/8\/2014\/12\/European-Parliament-568x183.jpg\" alt=\"European-Parliament\" width=\"568\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/articles-img.sftcdn.net\/auto-mapping-folder\/sites\/8\/2014\/12\/European-Parliament-568x183.jpg 568w, https:\/\/articles-img.sftcdn.net\/auto-mapping-folder\/sites\/8\/2014\/12\/European-Parliament-268x86.jpg 268w, https:\/\/articles-img.sftcdn.net\/auto-mapping-folder\/sites\/8\/2014\/12\/European-Parliament.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><em>Sitzungssaal des EU-Parlaments. Bildquelle: Wikipedia<\/em><\/p>\n<p>Das Europ\u00e4ische Parlament und die dort arbeitenden Lobbyisten haben das auf ihre Weise erkannt und Ende November 2014 eine Resolution verabschiedet. Dieser Beschluss ruft die EU-Kommission dazu auf, <strong>eine Abspaltung des Suchgesch\u00e4fts von anderen Gesch\u00e4ftsfeldern<\/strong> zu pr\u00fcfen. Google selbst wird in der Resolution nicht mit Namen genannt, aber es ist klar: Google steht mit einem Marktanteil von 95 Prozent im Suchgesch\u00e4ft im Visier der Wettbewerbsh\u00fcter.<\/p>\n<p>Schuld daran ist Google selbst. Denn w\u00e4hrend Produkte wie Gmail, Google Maps oder Android anderswo teure oder <strong>schlechte Produkte ersetzt <\/strong>haben, gilt das in anderen Gesch\u00e4ftsfeldern wie der Preissuche nicht.<\/p>\n<p>Im Jahr 2010 reichte Stadtplandienst.de, ein Portal der Bertelsmann-Tochter Euro-Cities, beim Kartellamt <strong>Beschwerde gegen Google<\/strong> ein: Aus Sicht von Euro-Cities bevorzugt der Suchmaschinenbetreiber eigene Produkte in den Suchergebnissen. Das Verfahren landete am Ende bei der EU-Kommission und wurde <a title=\"Reuters: Google vs EU-Commission\" href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/2014\/02\/05\/us-eu-google-idUSBREA140NO20140205\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">im Februar 2014 gegen eine Selbstverpflichtung von Google eingestellt<\/a>. Zu Recht, denn Google Maps ist ein erstklassiges Produkt.<\/p>\n<p><a title=\"Presseschauder.de\" href=\"http:\/\/www.presseschauder.de\/wie-google-seinen-preisvergleich-bevorzug\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Im Februar 2012 zeigte Christoph Keese auf Presseschauder.de<\/a>, was es hingegen bedeutet, wenn Google ohne triftigen Grund eigene Dienste bevorzugt. Seinen Erkenntnissen nach erscheinen Suchergebnisse von <strong>Googles hauseigenem Preisvergleich vor allen anderen Preisvergleichen<\/strong>.<\/p>\n<p>&#8220;Wir machen eine Suchmaschine f\u00fcr Nutzer, nicht f\u00fcr Web-Sites&#8221; entgegnete im Jahr 2010 Julia Holtz, Google Leiterin f\u00fcr Wettbewerbsrecht, auf die Anschuldigungen von Euro-Cities &#8211; Eine Aussage, <a title=\"Google Deutschland bei Google Plus\" href=\"https:\/\/plus.google.com\/+GoogleDeutschland\/posts\/FgeXzAQPACR\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Google Deutschland zuletzt im September 2014 unterstrich<\/a>: &#8220;[Es] werden die Ergebnisse angezeigt, die relevant f\u00fcr unsere Nutzer sind.&#8221;<\/p>\n<h3>Googles Irrglauben<\/h3>\n<p>Wie sehr Google mittlerweile in seiner eigenen Welt gefangen ist, zeigt der letzte Halbsatz: &#8220;die relevant f\u00fcr unsere Nutzer sind.&#8221; Als Nutzer macht mir dieser Satz Angst, weil <strong>am Ende Google bestimmt, was relevant ist<\/strong> &#8211; und insbesondere, was nicht. Wie sehr das bereits heute wahr ist, hat Wu in einem Positivbeispiel wie folgt beschrieben: &#8220;Dank Googles propiet\u00e4rem Algorithmus erscheinen Eintr\u00e4ge der gemeinn\u00fctzigen Wikipedia konsequent vor allen offiziellen Seiten, die mit dem selben Suchbegriff verbunden sind.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Was aber h\u00e4lt Google davon ab, nicht dasselbe mit den eigenen Produkten zu machen?<\/strong> Zeigen die vergangenen Jahre nicht sogar, dass Google genau das macht?<\/p>\n<p>Google hat mit allen seinen Produkten einen gro\u00dfen Vorteil gegen\u00fcber der Konkurrenz: Gmail, Google Drive, Google Docs, Google Maps &#8211; all <strong>diese Dienste m\u00fcssen kein Geld verdienen<\/strong>. Zwar nutzt Google auch hier Werbung und Vertr\u00e4ge mit Gesch\u00e4ftskunden, um einen Teil der Entwicklungs- und Betriebskosten aufzufangen, doch das Geld kommt am Ende aus dem Suchgesch\u00e4ft und finanziert so andere Dienste mit. Andere Anbieter wie <a title=\"Mail.com\" href=\"http:\/\/www.mail.com\/int\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mail.com<\/a>, <a title=\"Per Android auf die Dropbox zugreifen\" href=\"http:\/\/dropbox.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Dropbox<\/a>, <a title=\"Microsoft Office f\u00fcr Android Smartphones\" href=\"http:\/\/microsoft-office-mobile.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Microsoft Office<\/a> und <a title=\"Digitales Kartenwerk mit Routenplaner und Stauwarnung\" href=\"http:\/\/here-maps.softonic.de\/android\" target=\"_self\" rel=\"noopener noreferrer\">Nokias Here Maps<\/a> &#8211; nur um ein paar Konkurrenten zu nennen &#8211; k\u00f6nnen sich diese Quersubventionierung nicht leisten.<\/p>\n<h3>Die Suche ist nicht das Problem<\/h3>\n<p>Googles Unternehmenskultur verzerrt damit den Wettbewerb. Bleibt die Frage, wie man diese <strong>Wettbewerbsverzerrung wieder beheben<\/strong> kann. Aus Nutzersicht ist eines ganz klar: Die Abspaltung der Suchmaschine ist keine L\u00f6sung &#8211; sie treibt Google dazu an, in anderen Bereichen gro\u00dfartige Arbeit zu leisten. <strong>Ich pl\u00e4diere daher f\u00fcr eine Art gem\u00e4\u00dfigte Regulierung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Google ist unser Eintrittstor in das Internet, und als solches sollte uns Google die gesamte Welt des Internets bereitstellen &#8211; nicht nur die eigenen Dienste.<\/strong><\/p>\n<h3>\u00dcber den Autor: Tim V\u00fcllers<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-57683\" title=\"Tim-Vuellers-Avatar\" src=\"https:\/\/articles-img.sftcdn.net\/sft\/articles\/auto-mapping-folder\/sites\/8\/2014\/04\/Tim-Vuellers-Avatar.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"115\" \/> <strong>Apps<\/strong>, <strong>Smartphones<\/strong>, Statistik und das Internet of Things  sind Themen, mit denen ich auch meine Freizeit verschwende. Bei  Softonic schreibe ich haupts\u00e4chlich \u00fcber <strong>Smartphone-Apps und E-Mail-Sicherheit<\/strong>. Meine neuste Leidenschaft: Der Datenjournalismus.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/bit.ly\/1qrPjSi\">Weitere Artikel von mir<\/a><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/bit.ly\/1n6vWLi\">Folgen Sie mir bei Twitter @tvuellers<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir lesen heutzutage viel \u00fcber Googles Marktmacht. Zahlreiche Unternehmen verklagen den Konzern aus Mountain View (Kalifornien), weil dieser angeblich eigene Dienste bevorzugt. Verlage wie Axel Springer setzten zusammen mit anderen Verlagen politisch das Leistungsschutzrecht durch und erreichen am Ende doch nichts &#8211; Google ist zu m\u00e4chtig. 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