Wir Leben in einer globalen Welt. Das Internet überwindet Grenzen, vereinheitlicht die Welt auf einen kleinen, aber gemeinsamen Nenner. Doch oberhalb der vergrabenen Fieberglasleitungen tummelt sich das Leben, die Kultur und die echte Welt. Ein Münchener Start-Up will beide Welten näher zusammenbringen und den interkulturellen Austausch fördern. Softonic hat sich mit den Gründern unterhalten.
Wie in vielen Start-Up-Geschichten ist auch bei Youmigo ein Studentenwohnheim der Ausgangsort des kreativen Schaffens. Doch Youmigo ist keine Bier-Idee. Kein Geistesblitz, der die Erfinder so sehr fesselte, dass sie alles stehen und liegen lassen um ihren Traum zu erfüllen. Das soziale Netzwerk ist ein Produkt, das das Gründerteam in langen Diskussionen für einen Wettbewerb entwickelt hat.
Was ist Youmigo?
In Youmigo ist jeder Nutzer Experte seiner Heimat. Ist die App einmal installiert, gibt man während der Registrierung an, woher man kommt und für welche Region, für welche Kultur man sich als Experte versteht. Als Nutzer stellt man öffentlich Fragen zu Orten, an denen man Interesse hat oder die man besuchen möchte. Beantwortet ein Experte eine Frage, tritt man in ein privates Gespräch.
Youmigo: Der Amigo im Geiste.
Youmigo ist ein soziales Netzwerk, das Nutzer aus aller Welt zusammenbringen will, der Name daher ein Kunstwort fürs Zusammenkommen: You, Mi, Go; zu deutsch Du, ich, los geht’s. “Wir haben einfach rumprobiert und nach einem passenden Namen gesucht”, beschreibt Mitgründer Tobias Munzert die Namensfindung. Youmigo habe am Ende auch gewonnen, weil es sich wie Amigo anhöre. Um Freunde, auch wenn es sich nur um Freunde im Geiste handelt, geht es in diesem sozialen Netzwerk.
Das Youmigo-Team.
In einer globalen Welt ist Youmigo nicht nur eine Idee, sondern ein gelungen umgesetztes Werkzeug der Völkerverständigung. Ob ich einfach nur wissen möchte, ob der Stadtname in Dummer (England) etwas mit dem IQ der Bewohner zu tun hat oder ob ein Berliner wirklich glaubt, dass seine Stadt die Curry Wurst erfunden hat: In Youmigo tritt man mit Fremden aus aller Welt in Kontakt und das nicht, wie bei so vielen sozialen Apps von heute, für einen Flirt, eine Nacht oder die Liebe des Lebens.
Von Ende November bis Ende Januar lief die Beta-Phase, Ende Februar hoffen die Entwickler offiziell auf den Markt zu kommen.
Warum die lange Beta?
Eine App wie Youmigo basiert darauf, dass Nutzer Fragen stellen und so mit anderen Nutzern interagieren. Doch was, wenn es keine Nutzer gibt die Fragen stellen? Der Gelegenheitsnutzer, der gerade über die App gestolpert ist, steigt dann bereits aus, weil eben nichts los ist. Dank der Beta-Phase, die man am Ende bei 1.250 Nutzern geschlossen hat, gibt es bereits einen großen Vorrat von Fragen aus aller Welt und für die meisten Neuankömmlinge reichlich Potential für ein Gespräch.
Übersichtskarte in Youmigo. Nutzer sind an vielen Regionen der Welt interessiert.
Darüber hinaus will das Youmigo-Team, dass die App tadellos funktioniert, sobald Nutzer sie offiziell im Windows Phone Store kaufen können. Das liegt an den eigenen Ansprüchen, aber auch daran, wie die App entstanden ist.
Gewinner des App Campus Wettbewerbs
Mit der Idee und einem Geschäftsplan hat sich Youmigo im März 2013 beim App Campus von Microsoft beworben, einem Wettbewerb für App-Entwickler, dessen Preisgeld die Entwicklung von hochwertigen Apps für die Windows Phone Plattform fördern soll.
Monate später erhielt Mitgründer Johannes Schmidt eine formlose E-Mail, die die Gründer überhaupt erst daran erinnerte, dass man noch Teil des Wettbewerbes ist, dieser nun aber zu Ende sei und Youmigo den zweiten Preis gewonnen habe: 50.000 Euro.
Die App muss fehlerfrei sein.
– Youmigo-Mitgründer Johannes Schmidt
Den Sommer und frühen Herbst hat das Team daher mit der Entwicklung zugebracht, anschließend folgte die Beta-Phase. Denn so schön sich die Geschichte eines 50.000-Euro-Schecks auch liest, so ein Scheck ist an Bedingungen geknüpft. Beim App Campus verlangt man einer erstklassige App. Erst danach fließt auch das Geld.
Windows Phone als Sandbox für den Rest der Welt
Im Rahmen der App Campus-Ausschreibung gibt es Youmigo drei Monate lang exklusiv für Windows Phone. Wie es danach weiter gehen soll, wissen die Entwickler noch nicht so ganz. Man wolle erst abwarten und sehen wie die App bei den Nutzern ankommt. Windows ist “ein kleines Sandbox-Experiment”, sagte uns Schmidt und wenn alles gut läuft, geht es weiter mit einer Android- und iPhone-App und vielen neuen Youmigos an Bord.