Fenris Creations hat große Teile der proprietären Carbon-Engine von EVE Online ab sofort als Open Source auf GitHub gestellt. Damit wird Technik sichtbar, die bislang eng an den Betrieb des PC-MMOs gekoppelt war. EVE Online ist seit Jahren für seine persistente Single-Shard-Welt bekannt, ebenso für Schlachten, in denen Tausende Spieler gleichzeitig aufeinandertreffen.
Das ist in der Branche kein gewöhnlicher Fund aus irgendeinem alten Engine-Archiv. Carbon gilt eher als Infrastruktur, die unter harten Live-Bedingungen gewachsen ist. Genau deshalb schauen jetzt viele sehr genau hin: Was hat Fenris Creations tatsächlich freigegeben, und warum kommt dieser Schritt ausgerechnet jetzt?
Mehr als zwei Dutzend Module auf GitHub
Laut Fenris Creations umfasst die Freigabe mehr als zwei Dutzend Module. Auf GitHub lassen sich ab sofort unter anderem das Grafiksystem Trinity und Destiny einsehen, das nach Angaben des Studios für Physik- und Pathfinding-Aspekte zuständig ist.
Der größte Teil des Codes steht dem GitHub-Release zufolge unter der permissiven MIT-Lizenz. Für Nutzung, Analyse und Weiterentwicklung sind die Hürden damit vergleichsweise niedrig.
Ben Hunter, Senior Development Director bei Fenris Creations, beschreibt die Öffnung des Codes als Investition in gemeinsame Weiterentwicklung, Vertrauen und langfristige Nachhaltigkeit. Wird der Code durch externe Beiträge besser und profitieren am Ende alle davon, dann ist das aus Sicht von Fenris Creations ein Gewinn, für das Studio ebenso wie für die Community.
Carbon im Live-Betrieb von EVE Online
Spannend an Carbon ist vor allem, wo diese Technik eingesetzt wird: im Live-Betrieb von EVE Online für Windows und Mac. Das MMO verteilt seine Spieler nicht über viele getrennte Server, sondern läuft in einer Single-Shard-Umgebung, in der alle Teil derselben Welt sind. Genau dort muss die Technik Lastspitzen aushalten, wenn gewaltige Flottengefechte eskalieren.
Darum dürfte die Freigabe nicht nur Fans von EVE Online interessieren. Auch Entwickler, die sich mit skalierbaren Netzwerk- und Simulationssystemen beschäftigen, werden hier genauer hinsehen. Selbst wenn nicht jeder Teil des Live-Betriebs öffentlich vorliegt, liefert der Blick auf Architektur und Werkzeuge seltene Einblicke in MMO-Technik, die sich im Dauerbetrieb bewährt hat.
Sicherheit, Bots und neue Werkzeuge
Wo zentrale Systeme offenliegen, tauchen automatisch auch Fragen zu Cheats, Bots und möglichen Angriffspunkten auf. Fenris Creations hat diese Bedenken laut Ben Hunter mit einkalkuliert und macht deutlich, auf die sicherheitsrelevanten Folgen vorbereitet zu sein.
Am Ende wird entscheidend sein, wie konsequent Wartung, Monitoring und Schutzmechanismen rund um den Live-Betrieb weitergeführt werden.
Beim Schritt hin zu einem offeneren Modell hat sich Fenris Creations außerdem mit den Entwicklern der Open-Source-Engine Godot ausgetauscht. Ben Hunter sprach auch darüber, dass das Studio neue Code-Assistenten und Sprachmodelle für den Entwicklungsalltag prüft.
Die ersten Reaktionen aus der Community fallen bisher überwiegend positiv aus. Viele rechnen mit neuen Drittanbieter-Tools, technischen Experimenten und vielleicht auch mit weiteren Projekten, die nah an EVE liegen.
Downloads: Download EVE Online für Windows und Mac