Argus II ist ab sofort in Europa erhältlich. Das Netzhautimplantat richtet sich an Erwachsene mit weit fortgeschrittener Retinitis pigmentosa. Normales Sehen bringt es nach Angaben des Herstellers nicht zurück. Es liefert vielmehr grobe visuelle Informationen, die im Alltag bei der Orientierung helfen sollen.
Grobe visuelle Informationen statt normalem Sehen
Argus II bekommen Betroffene ihr normales Sehvermögen nicht zurück. Was das System laut Hersteller liefert, sind grobe visuelle Reize.
Wenn sich diese Signale im Alltag nutzen lassen, fallen Dinge wie Türen, Gehwege, Hindernisse oder auch die Bewegungsrichtung anderer besser auf. Nutzer schildern das Gesehene eher als Muster aus Lichtblitzen , Kontrasten und einfachen Formen, nicht als scharfes Bild.
So arbeitet Argus II
Argus II verbindet eine kleine Kamera an einer Brille mit einem Chip, der auf der Netzhaut implantiert wird. Die Kamera erfasst das Bild, ein externer Prozessor übersetzt es in Signale und sendet sie drahtlos an Elektroden im Auge.
Dort reizen die Signale noch vorhandene Zellen der Netzhaut. Diese geben die Informationen an den Sehnerv weiter. Nach Angaben des Herstellers konnten manche Patientinnen und Patienten in Studien und frühen Anwendungen größere Objekte orten, Linien folgen oder Kontraste im Raum besser einschätzen.
Für wen das Implantat gedacht ist
Gedacht ist Argus II laut Hersteller vor allem für Erwachsene, die durch Retinitis pigmentosa schwer sehbehindert oder vollständig erblindet sind. Bei dieser erblichen Netzhauterkrankung sterben die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut nach und nach ab.
Andere Teile des Sehsystems bleiben zum Teil erhalten. Erst das macht ein Implantat wie Argus II überhaupt möglich. Für andere Ursachen von Blindheit passt das System nicht automatisch. Ob der Eingriff infrage kommt, müssen spezialisierte Augenkliniken immer im Einzelfall prüfen.
Operation, Training und Verkauf über Spezialzentren
Bevor das System genutzt werden kann, steht zunächst eine Operation an. Danach folgt eine längere Phase der Rehabilitation. Der praktische Nutzen zeigt sich nicht sofort, sondern erst mit Training, weil die neuen visuellen Reize im Alltag erst gelernt und richtig gedeutet werden müssen.
Argus II kann die Orientierung erleichtern, ersetzt natürliches Sehen und klassische Hilfsmittel aber nicht vollständig. In Europa dürfte der Verkauf zunächst kontrolliert über wenige spezialisierte Zentren laufen, denn das Medizinsystem verlangt erfahrene Chirurginnen und Chirurgen, eine enge Nachsorge und technische Betreuung.
Offizielle Preise für einzelne europäische Märkte hat der Hersteller zunächst nicht öffentlich genannt. Trotz aller Einschränkungen ist der Verkaufsstart ein Meilenstein auf dem Weg vom Labor in die klinische Praxis.
Downloads: Keine Downloads verfügbar