Google hat in seiner Suche wieder automatische Zusammenfassungen ausgespielt, die danebenlagen. Wie Futurism berichtet, behandelten mehrere dieser Einträge aus der ausdrücklich fiktionalen SCP Foundation ihre Inhalte so, als gehe es um reale Objekte Wesen oder dokumentierte Vorfälle.
SCP-Fiktion als vermeintliche Realität
Futurism zufolge fasste Google mehrere Einträge aus der SCP Foundation in genau diesem Ton zusammen: als wären dort echte Gegenstände Kreaturen oder belegte Zwischenfälle beschrieben.
Dabei ist die SCP Foundation seit Jahren ein etabliertes Community-Projekt aus dem Horrorbereich und ausdrücklich fiktional. Weil diese Kurzantworten direkt oben in den Suchergebnissen auftauchen, wirken sie schnell wie verlässliche Fakten, obwohl die zugrunde liegenden Inhalte frei erfunden sind.
Laut Futurism ließen sich mindestens 20 Fälle finden, in denen SCP-Einträge in den Suchzusammenfassungen erschienen, ohne dass ihr fiktiver Charakter klar kenntlich gemacht wurde.
Das SCP-Universum ist ein kollaboratives Wiki, in dem Autoren im Stil nüchterner Aktenvermerke über angeblich anomale Objekte und Kreaturen schreiben. Gerade diese demonstrativ sachliche Sprache dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Texte mit echten Quellen verwechselt wurden.
Zu den Beispielen, die Futurism nennt, gehört etwa SCP-565. Dort ist von einem anomalen, gehfähigen menschlichen Kopf die Rede, inklusive Verweisen auf forensische Unterlagen.
Und dann ist da SCP-426, ein bekannter Running Gag aus dem SCP-Kosmos: ein Toaster, der Menschen dazu bringt, in der Ich-Form über ihn zu sprechen. Auch SCP-922 und SCP-779 sollen laut Futurism in nüchternem Sachton zusammengefasst worden sein, ohne dass erkennbar wurde, dass es sich um Horror-Fiktion handelt.
Teilweise offenbar bereits korrigiert
Ein späterer Test fiel laut Futurism allerdings anders aus. Das Verhalten ließ sich in derselben Form nicht mehr nachvollziehen.
Bei Suchanfragen wie „SCP-565“ erschien demnach keine automatische Übersicht mehr. In Googles neuem Suchmodus wurde der Begriff sogar ausdrücklich als fiktionale Anomalie eingeordnet. Das spricht dafür, dass Google bei einzelnen gemeldeten Suchanfragen schon nachgebessert hat. Ob das Problem damit grundsätzlich behoben ist, bleibt offen.
Kein Einzelfall mit großer Reichweite
Der Vorfall passt in ein Muster, das man inzwischen kennt.
Googles Suchzusammenfassungen sind bereits mehrfach mit erfundenen historischen Details, falschen Datumsangaben und haarsträubenden Empfehlungen aufgefallen. Zu den bekanntesten Beispielen zählt die Behauptung, ungiftiger Klebstoff könne als Pizzasoße verwendet werden. Dazu kommen problematische Gesundheitsinformationen sowie Fälle, in denen Betrüger falsche Kontaktdaten platzierten und Google diese als vermeintlich legitime Information ausspielte.
Hohe Trefferquote, wachsender Druck
Das Start-up Oumi kam zwar zu dem Ergebnis, dass die Zusammenfassungen im Durchschnitt zu rund 90 Prozent korrekt seien.
Bei Googles enormer Reichweite kann aber schon eine vergleichsweise kleine Fehlerquote massive Folgen haben, theoretisch also zig Millionen falsche Antworten pro Stunde. Wer das SCP-Projekt nicht kennt, dürfte die kurzen und selbstsicher formulierten Texte leicht für dokumentierte Realität halten. Für Kinder gilt das womöglich erst recht.
Zusätzlicher Druck kommt derzeit auch aus München.
Dort entschied ein Gericht kürzlich, dass Google für falsche Angaben in solchen Suchzusammenfassungen rechtlich verantwortlich gemacht werden kann, weil es sich nicht um neutrale Trefferlisten, sondern um eigene Aussagen des Unternehmens handelt. Google erklärte, die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig und werde geprüft. Der SCP-Fall kommt damit zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, weil er das Grundproblem moderner Suchsysteme besonders anschaulich zeigt: Eine autoritativ präsentierte Darstellung kann in die Irre führen, selbst wenn die Quelle offensichtlich erfunden ist.