Microsoft spricht einem neuen Bericht zufolge gerade mit mehreren Xbox-Studios über deren weitere Zukunft. Dazu gehört auch Obsidian Entertainment, das der Konzern 2018 übernommen hat. Im Zuge eines möglichen Umbaus der Studiosparte steht dabei offenbar einiges auf dem Tisch: Schließungen, Verkäufe an andere Unternehmen oder auch Rückkäufe, bei denen sich Studios von Microsoft lösen und wieder eigenständig werden.
Damit verdichten sich die Anzeichen, dass Microsoft seine über Jahre zusammengekaufte Studio-Struktur nicht nur anpasst, sondern grundlegend neu sortieren will. Als mögliche Problemfälle galten dem Bericht nach schon zuvor unter anderem Ninja Theory, Double Fine, Compulsion Games, Undead Labs und Arkane.
Xbox-Studios vor dem Umbruch
Es geht dem Bericht nach nicht bloß um die üblichen Sparrunden. Zur Debatte stehen Entscheidungen an der Struktur selbst, und die hätten für die betroffenen Teams spürbare Folgen. Genannt werden Schließungen, Verkäufe an Dritte oder Rückkäufe, durch die einzelne Studios Microsoft verlassen und wieder unabhängig werden könnten.
Obsidian Entertainment ist dabei einer der auffälligsten Namen im Xbox- und Windows-PC-Portfolio. Das Studio gehört seit Jahren zu den wichtigen Bausteinen der Xbox-Sparte und arbeitet mit bekannten Rollenspielmarken an mehreren Projekten. Gerade deshalb wäre ausgerechnet dort eine Neuordnung ein deutliches Signal. Es würde zeigen, wie ernst Microsoft den Umbau tatsächlich meint.
Und Obsidian ist wohl nicht das einzige Team in einer heiklen Lage. Bei Arkane Lyon geht es dem Bericht zufolge nicht nur um die Eigentümerfrage, sondern auch um die Zukunft von Marvel’s Blade. Im schlechtesten Fall könnte das Projekt sogar eingestellt werden. Bei Ninja Theory heißt es außerdem, die erst kürzlich angekündigte Fortsetzung zu Senua sei auch deshalb so früh gezeigt worden, um das Studio für mögliche Käufer interessanter zu machen.
Schließungen, Spin-offs und Entlassungen
Für die Beschäftigten wäre selbst das günstigste Szenario kaum ohne Folgen. Auch wenn einzelne Teams verkauft würden oder wieder auf eigenen Beinen stünden, dürften Entlassungen in vielen Fällen nur schwer zu vermeiden sein.
Die ersten Schritte könnten Berichten zufolge schon ab dem 6. Juli 2026 anlaufen.
Im Raum steht laut dem Bericht ein Abbau von bis zu 1.000 Stellen in Microsofts Gaming-Sparte. Offiziell bestätigt ist diese Zahl bisher nicht. Öffentlich haben sich die betroffenen Studios bislang ohnehin kaum geäußert. Einzelne Reaktionen, etwa ein kurzer Social-Media-Post von Double Fine, klingen weniger nach Entwarnung als nach einem Zeichen dafür, dass intern selbst noch Unsicherheit herrscht.
Warum Microsoft jetzt unter Druck steht
Hinter dem möglichen Kahlschlag steckt dem Bericht nach offenbar ein harter finanzieller Kurswechsel. Aus internen Aussagen des Managements soll hervorgehen, dass Xbox in den vergangenen fünf Jahren rund 20 Milliarden investiert hat, die Übernahme von Activision Blizzard dabei noch gar nicht mitgerechnet. Gleichzeitig soll der Jahresumsatz laut Bericht um fast 500 Millionen gesunken sein.
Intern fällt in dem Zusammenhang offenbar auch das Wort von einem „überdehnten“ Studio-System.
Strategisch scheint Microsoft deshalb den Schwerpunkt zu verlagern: weg von kleineren, experimentelleren Teams, stärker hin zu großen Marken wie Halo, Forza, Call of Duty, The Elder Scrolls und Fallout. Das wäre eine klare Abkehr von der Übernahmestrategie aus den Jahren 2018 und 2019. Damals wurden Studios wie Obsidian Entertainment, Ninja Theory und Double Fine vor allem geholt, um für stetigen Nachschub im Game Pass zu sorgen.
Noch stützt sich ein großer Teil dieser Informationen auf anonyme Quellen, vieles ist offiziell nicht bestätigt. Trotzdem spricht im Moment einiges dafür, dass Xbox vor einer der größten Neuaufstellungen seiner modernen Geschichte steht.