Beim Stern KIC 8462852, besser bekannt als Tabby’s Star, könnte sich ein neues Puzzlestück zeigen. Ein Forschungsteam um die Leitautorin Cristina Madurga-Favieres meldete Mitte 2026 einen möglichen transitierenden Begleiter, der vielleicht erklärt, warum der Stern seit Jahren mit extremen Helligkeitseinbrüchen auffällt. Auslöser der aktuellen Debatte ist ein einzelnes Transit-Ereignis, das im September 2019 beobachtet wurde und etwa 21 Stunden dauerte. Erst Mitte 2026 wurde es von dem Team um Madurga-Favieres als möglicher Planetenkandidat vorgestellt. Nach Einschätzung der Forschenden könnte das Objekt ungefähr die zehnfache Jupitermasse haben. Für dieses System wäre das ein ziemlich wichtiger Befund, denn bei KIC 8462852 war bislang kein transitierender Begleiter bekannt.
Tabby’s Star bleibt ein kosmisches Rätsel
Berühmt wurde Tabby’s Star, weil sich dieser Stern eben nicht so verhält wie Systeme mit gewöhnlichen Transitplaneten. Normalerweise sehen Astronomen kleine, regelmäßig wiederkehrende Dellen in der Helligkeit. Hier war es anders: Über Jahre tauchten unregelmäßige Einbrüche von bis zu 22 Prozent auf. Zu einem typischen Planeten passt das nicht, denn der würde beim Vorübergang nur einen kleinen Teil des Sternenlichts abschirmen.
Genau diese seltsamen Messdaten machten den Stern 2015 weltweit bekannt. Damals bekam auch die spektakulärste Erklärung besonders viel Aufmerksamkeit: die Idee einer künstlichen Megastruktur einer fremden Zivilisation, die Sternenergie erntet. Für Schlagzeilen reichte das allemal. Unter Fachleuten gilt diese Deutung heute aber als sehr unwahrscheinlich.
Neuer Kandidat stützt eine natürliche Erklärung
Der neue Kandidat liefert aus Sicht der Forschenden vor allem Stoff für eine natürliche Erklärung. Das Team um Cristina Madurga-Favieres vermutet, dass die Schwerkraft eines so massereichen Planeten Kometen oder andere kleine Himmelskörper durcheinanderbringen könnte. So könnten Staub- und Trümmerwolken entstehen oder in unsere Sichtlinie geraten. Und genau solche Wolken würden die unregelmäßigen Lichtabfälle gut erklären.
Cristina Madurga-Favieres hob außerdem hervor, dass es sich um den ersten gemeldeten transitierenden Begleiter bei Tabby’s Star handelt. Selbst wenn der Kandidat erst noch bestätigt werden muss, wäre er ein wichtiger Baustein, um zu verstehen, wie kompliziert dieses System tatsächlich ist.
Warum die Alien-Theorie heute schwächer ist
Ausschlaggebend gegen die Megastruktur-Hypothese waren spätere Beobachtungen. Sie zeigten, dass die Verdunkelung blaues Licht stärker dämpft als rotes. So ein wellenlängenabhängiges Muster spricht deutlich für feinen Staub. Ein großer, undurchsichtiger künstlicher Körper müsste das Sternenlicht viel gleichmäßiger blockieren.
Deshalb haben auch jene Wissenschaftler, die die Alien-Idee anfangs öffentlich mitdiskutierten, ihre Einschätzung später in Richtung natürlicher Staubmodelle verschoben.
Bürgerforschung spielte eine große Rolle
Dass Tabby’s Star überhaupt so gründlich untersucht wurde, ist auch Freiwilligen zu verdanken. Aufgefallen war der Stern zuerst Teilnehmenden des Projekts Planet Hunters, die ungewöhnliche Daten des Weltraumteleskops Kepler sichteten. Später half sogar Crowdfunding weiter: Eine von der Astronomin Tabetha Boyajian gestartete Kickstarter-Kampagne brachte 2016 mehr als 100.000 Dollar für zusätzliche Teleskopbeobachtungen ein.
Ganz gelöst ist das Rätsel trotzdem nicht. Neben Staub aus Kometen oder Planetesimalen stehen laut den Forschenden auch andere Erklärungen im Raum, darunter die Zerstörung eines Exomonds, intrinsische Veränderungen des Sterns oder Effekte durch nahegelegene Objekte im All. Der neue Planetenkandidat macht aber eines etwas klarer: Für Tabby’s Star braucht man vermutlich keine Aliens, sondern eine bessere Erklärung der Himmelsmechanik.