Z.ai, früher unter dem Namen Zhipu unterwegs, steuert laut Bloomberg derzeit auf rund 1 Milliarde Dollar annualisierte wiederkehrende Erlöse, also ARR, beziehungsweise Jahresumsatz zu. Sollte das Tempo halten, wäre das Unternehmen das erste unabhängige KI-Start-up dieser Kategorie, das diese Marke erreicht. Bloomberg meint damit allerdings vor allem einen hochgerechneten wiederkehrenden Erlös, nicht zwingend einen nach klassischer Rechnungslegung bereits vollständig verbuchten Umsatz.
1 Milliarde Dollar: ARR ist nicht dasselbe wie Umsatz
Genau da liegt der entscheidende Punkt. Zwischen klassischem Jahresumsatz und ARR besteht ein Unterschied, und der ist hier alles andere als klein. Bloomberg schreibt zwar, dass Z.ai auf einen Jahreswert von etwa 1 Milliarde Dollar zuläuft. Gemeint ist damit aber nicht automatisch Umsatz, der so schon vollständig in den Büchern steht.
Ein spürbarer Teil dieses Werts beruht Bloomberg zufolge auf hochgerechneten wiederkehrenden Erlösen.
Darauf deutet auch die JPMorgan-Prognose hin. Die Bank erwartet für 2026 einen Umsatz von 4,6 Milliarden Yuan. Das wäre ohne Frage starkes Wachstum, läge als tatsächlich verbuchter Jahresumsatz aber weiterhin unter der Schwelle von 1 Milliarde Dollar.
Starkes Wachstum bei Umsatz und Nutzung
Am Wachstum selbst ändert das wenig. Das Tempo ist hoch. Laut Bloomberg meldete Z.ai für 2025 einen Umsatz von 724 Millionen Yuan, umgerechnet etwa 100 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von knapp 132 Prozent.
Noch schneller ging es Bloomberg zufolge beim ARR im ersten Halbjahr 2026. Dieser Wert soll sich verfünfzehnfacht haben. JPMorgan rechnet außerdem damit, dass der Umsatz bis 2028 auf 30,9 Milliarden Yuan klettern könnte.
Auch die offene Plattform sendet ziemlich klare Signale. Bloomberg zufolge lag der annualisierte wiederkehrende Umsatz dort bei 1,7 Milliarden Yuan, also beim Sechzigfachen des Vorjahreswerts. Und selbst nachdem die Preise für API-Zugriffe im ersten Quartal 2026 um 83 Prozent angehoben wurden, soll die Nutzung laut Bloomberg noch einmal um 400 Prozent gestiegen sein.
Kostenlose Modelle, Geld mit Unternehmen
Z.ai setzt auf ein Modell, das man gerade bei vielen KI-Anbietern sieht. Top-Modelle wie GLM-5.2 werden als Open Source kostenlos veröffentlicht. Geld verdient wird dann an anderer Stelle: mit Cloud-Zugängen, Anpassungen für Unternehmen, Support und lokalen Installationen.
Gerade diese On-Premises-Projekte scheinen laut Bloomberg das Rückgrat des Geschäfts zu sein. Ein großer Teil der Erlöse kommt dem Research-Kontext zufolge aus Installationen, unter anderem für Staatsunternehmen und Finanzinstitute. 2025 stammten laut Research-Kontext rund 73,7 Prozent des Umsatzes aus genau diesem Segment.
Hohe Verluste trotz Boom
Trotz all dieser Dynamik schreibt Z.ai weiter tiefrote Zahlen. Laut Bloomberg wurde für 2025 ein Nettoverlust von 4,72 Milliarden Yuan gemeldet.
JPMorgan erwartet Profitabilität erst für 2028.
Z.ai steht damit ziemlich gut für das, was Chinas KI-Markt gerade auszeichnet: schnelles Skalieren, aggressive Preise, offene Modelle und ein klarer Fokus auf Unternehmenskunden, die auch tatsächlich zahlen. Gleichzeitig ist der Wettbewerb hart. DeepSeek, MiniMax, Moonshot, Alibaba, ByteDance und viele kleinere Anbieter sitzen dem Unternehmen im Nacken.
Ob Z.ai die Milliardenmarke zuerst beim ARR oder beim verbuchten Umsatz knackt, ist vor diesem Hintergrund fast schon die kleinere Frage.
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