Die Electronic Frontier Foundation und die University of Nevada, Reno haben den „Atlas of Surveillance“ ins Netz gestellt. Das Webprojekt zeigt sehr genau, welche Polizeitechnologien Behörden in den USA einsetzen.
Suche nach Behörden und Technologiearten
Das Online-Tool der Electronic Frontier Foundation und der University of Nevada, Reno soll für mehr Transparenz sorgen. Gerade vernetzte Kamerasysteme wie die von Flock Safety stehen in der Datenschutzdebatte inzwischen viel stärker im Mittelpunkt.
Das Projekt macht öffentlich sichtbar, mit welchen Überwachungswerkzeugen Polizeibehörden und andere Sicherheitsstellen arbeiten.
Nach Angaben der Betreiber umfasste die Datenbank im Juli 2026 mehr als 15.000 Datenpunkte zu Technologie-Einsätzen in den gesamten USA.
Nach eigener Beschreibung ist das größte Verzeichnis dieser Art, das bisher aufgebaut wurde.
Ab sofort können Sie gezielt nach Regionen, Behörden und Technikarten suchen.
Im Atlas finden sich unter anderem Einträge zu Drohnen, Bodycams, Gesichtserkennungssystemen und automatischen Kennzeichenerfassungssystemen, auch ALPR genannt (Automatic License Plate Recognition). Zu diesen ALPR-Lösungen gehören auch die viel diskutierten Kameras von Flock Safety.
Wie die Datenbank entsteht
Der Atlas of Surveillance beruht nicht auf einer einzigen offiziellen Quelle.
Die Organisatoren führen stattdessen klassische Datenrecherche durch, stellen Anfragen auf Basis von Informationsfreiheitsgesetzen und nehmen Hinweise aus der Bevölkerung auf. Diese Mischung aus Datenjournalismus, öffentlichen Dokumenten und Crowdsourcing soll ein Bild liefern, das möglichst nah an der tatsächlichen Verbreitung moderner Überwachungstechnik liegt.
Gerade deshalb dürfte das Projekt für Anwohner , Bürgerrechtler und Lokalpolitiker interessant sein.
Denn viele dieser Technologien werden auf lokaler Ebene angeschafft, lassen sich öffentlich aber oft nur schwer nachverfolgen.
Flock Safety im Fokus
Flock Safety gehört zu den bekanntesten Anbietern automatischer Kennzeichenerfassung.
Nach Angaben des Unternehmens nutzen Polizeibehörden seine Kameras in mehr als 4.000 Städten. Flock Safety sagt außerdem, die Systeme würden dabei helfen, jeden Tag rund 2.200 Straftaten aufzuklären. Sichtungsdaten von Fahrzeugen werden dem Unternehmen zufolge in der Regel 30 Tage gespeichert.
Befürworter halten das für ein nützliches Werkzeug bei Ermittlungen, etwa bei gestohlenen Autos, Einbruchsserien oder der Suche nach Verdächtigen.
Kritiker warnen dagegen, dass große ALPR-Netzwerke faktisch zu Systemen für Massenüberwachung werden können. Vor allem dann, wenn Behörden Daten umfassend miteinander teilen oder wirksame Kontrollmechanismen fehlen.
Datenschutz und politische Folgen
Bürgerrechtsorganisationen weisen seit Jahren auf das Missbrauchspotenzial solcher Systeme hin.
Bewegungsprofile können sich unter Umständen nachträglich rekonstruieren lassen. Aus einer ursprünglich punktuellen Fahndung kann so ein weitreichendes Beobachtungsnetz werden.
Die Debatte bleibt nicht ohne Folgen.
Nach Angaben der Electronic Frontier Foundation haben einige Behörden den Einsatz von Flock-Systemen ausgesetzt oder neu bewertet. Dazu zählt demnach auch das Los Angeles Police Department, das den Einsatz beziehungsweise die Zusammenarbeit mit Blick auf Aufsicht, Datennutzung und Datenschutz erneut prüfte. Der Atlas ist damit nicht nur eine Karte, sondern auch politischer Zündstoff : Er zeigt, wie tief Überwachungstechnik in vielen US-Städten schon in den Alltag vorgedrungen ist.
Downloads: Atlas of Surveillance im Web