Mercedes-Benz könnte in den USA ernsthaft unter Druck geraten. Auslöser ist der Gesetzentwurf „Connected Vehicle Security Act of 2026“. Der würde den Verkauf vernetzter Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten an die Eigentümerstruktur eines Herstellers knüpfen. Für Mercedes-Benz ist das heikel, weil chinesische Großaktionäre an Bord sind.
Warum Mercedes-Benz in den Fokus gerät
Der Entwurf sieht vor, dass Autohersteller in den USA unter bestimmten Umständen keine vernetzten Fahrzeuge mehr verkaufen dürfen, wenn Investoren aus Staaten, die im Gesetz als feindlich eingestuft werden, zusammen mehr als 15 Prozent halten. China zählt in diesem Entwurf ausdrücklich zu diesen Staaten.
Genau an dieser Marke wird es für Mercedes-Benz kritisch. BAIC hält 9,98 Prozent am Konzern, Geely-Chef Li Shufu noch einmal 9,69 Prozent. Zusammen kommen diese Beteiligungen auf 19,67 Prozent. Damit läge Mercedes-Benz klar über der vorgesehenen Schwelle.
Mit genau dieser Aktionärsstruktur wäre Mercedes-Benz einer der bekanntesten westlichen Autobauer, die von der Regel unmittelbar erfasst würden. In Washington argumentieren Kritiker schon jetzt, dass die konkrete Ausgestaltung den Stuttgarter Konzern besonders stark treffen könnte.
Strategische Wahl zwischen USA und China
Für Mercedes-Benz geht es um viel. Die USA sind nicht bloß ein großer Absatzmarkt, sondern auch ein wichtiger Produktionsstandort. In Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama baut Mercedes-Benz seit Jahren Fahrzeuge. Dazu kommen Milliardeninvestitionen, die der Konzern in den USA zugesagt hat.
Auf der anderen Seite bleibt China einer der wichtigsten Märkte für Mercedes-Benz. Das gilt für den Verkauf genauso wie für die Produktion über lokale Joint Ventures, unter anderem mit BAIC.
Nur wird diese enge Verbindung nach China gerade schwieriger. Dort nimmt der Druck durch heimische Elektroautohersteller und Softwareanbieter zu. Gleichzeitig hat Mercedes-Benz zuletzt mit sinkenden Verkäufen zu kämpfen.
Falls das Gesetz tatsächlich in dieser Form kommt, hätte Mercedes-Benz im Kern nur zwei Optionen: chinesische Beteiligungen zurückfahren oder das Risiko akzeptieren, vom US-Markt für vernetzte Fahrzeuge ausgeschlossen zu werden.
Mercedes-Benz lobbyiert für Änderungen
Aus Berichten aus den USA geht hervor, dass Mercedes-Benz schon versucht, Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess zu nehmen. Der Konzern soll dafür werben, die Grenze nicht bei 15, sondern bei 25 Prozent zu ziehen. Alternativ soll stärker darauf geschaut werden, wer tatsächlich Kontrolle ausübt, statt nur auf formale, passive Beteiligungen zu sehen.
Der zentrale Punkt aus Sicht von Mercedes-Benz: Weder BAIC noch Li Shufu kontrollieren den Konzern operativ, und beide haben keinen Zugriff auf sensible Fahrzeug- und Kundendaten. Eine starre Prozentgrenze greift nach Auffassung des Unternehmens deshalb zu kurz.
Das Gesetz ist noch nicht beschlossen
Entschieden ist noch nichts. Der Gesetzentwurf hat zwar bereits den Handelsausschuss des US-Senats passiert, muss aber noch durch den gesamten Senat. Außerdem sind eine Übergangsfrist bis 2030 und mögliche Ausnahmen vorgesehen.
Politisch ist das Thema weiter umkämpft. Die Befürworter verweisen auf nationale Sicherheitsinteressen bei vernetzten Fahrzeugen und den zugehörigen Datenschnittstellen. Andere halten die Vorlage für zu eng zugeschnitten.
Senator Ted Cruz soll schon kritisiert haben, das Gesetz wirke, als sei es eigens gegen Mercedes-Benz geschrieben worden. Analysten verweisen außerdem auf Volvo als möglichen Präzedenzfall. Dessen US-Produktion wurde trotz des Geely-Umfelds bislang anders bewertet. Für Mercedes-Benz heißt das vorerst vor allem eines: gewonnene Zeit.