Bei Bungie soll während der internen Carnival-Game-Jams schon einmal ein ziemlich ungewöhnlicher Destiny-Ableger als Prototyp entstanden sein: eine Dating-Sim im Destiny-Universum. Weiter als bis zu diesem frühen Entwicklungsstand kam das Projekt nach Aussagen früherer Bungie-Leute aber nie.
Prototyp kam nicht über das Frühstadium hinaus
Gescheitert ist die Idee den Berichten ehemaliger Bungie-Mitarbeitender zufolge wohl nicht daran, dass im Team niemand etwas damit anfangen konnte. Ausschlaggebend war demnach vielmehr eine klare Linie aus dem Management.
Aus der Führung soll mehrfach signalisiert worden sein, dass Romantik und ein bewusst alberner Ton für sie nicht zu Destiny passen.
Pitch mit Budget- und Umsatzprognosen
Interessant ist auch, wie ernst der Pitch intern offenbar angelegt war. Der Begriff Dating-Sim klingt erst mal nach einem Scherzprojekt, doch genau so soll es intern wohl nicht behandelt worden sein.
Frühere Mitarbeitende berichten, dass das Konzept nicht einfach als Witz durch die Flure gereicht wurde. Es soll vielmehr mit Budgetschätzungen und Prognosen zu möglichen Einnahmen versehen gewesen sein. Zeitweise stand damit offenbar tatsächlich ein kommerzielles Spin-off im Raum.
Idee entstand bei internen Game-Jams
Entstanden sein soll das Ganze bei Bungies internen Carnival-Game-Jams.
In solchen Formaten probieren Teams abseits der laufenden Hauptproduktion kleinere, seltsamere oder einfach untypische Ideen aus. Gerade dort entstehen in Studios oft Ansätze, aus denen später eigenständige Spiele werden. Manchmal bleibt es bei einem Versuch. Manchmal nicht.
Bei der Destiny-Dating-Sim blieb es nach Schilderungen ehemaliger Mitarbeitender am Ende beim Prototypen.
Markenstrategie sprach gegen ein ungewöhnliches Spin-off
Die Absage passt jedenfalls zu einer eher strengen Vorstellung davon, was die Marke Destiny sein soll.
Das Sci-Fi-Universum hat zwar reichlich Lore, Fraktionen und markante Figuren zu bieten. Nach außen wird Destiny aber vor allem als heroischer Live-Service-Shooter verkauft. Ein Spiel mit romantischem Einschlag, dazu stärker auf Figuren und Beziehungen konzentriert, hätte dieses Bild ziemlich deutlich aufgebrochen.
Ex-Entwickler sprechen von einer verpassten Chance
Und genau das sehen manche ehemalige Bungie-Mitarbeitende als verpasste Chance.
Robert Brookes, einst Senior Narrative Designer bei Bungie, argumentierte, dass ein solches Projekt einer Marke beim Wachsen helfen könne. Ein Wechsel des Genres könne neue Zielgruppen ansprechen, ohne dass am Kern von Destiny 2 für PC, PlayStation und Xbox etwas verändert werden müsste.
Auch in der Community wurden die Berichte vielerorts eher positiv aufgenommen.
In sozialen Netzwerken und Foren fanden viele Fans gerade die Vorstellung reizvoll, ein kleineres, stärker erzählerisch geprägtes Spiel zu bekommen, das bekannte Figuren und ihre Beziehungen in den Mittelpunkt stellt, statt wieder Loot, Raids und Endgame-Systeme.
Marktdaten deuten auf ein mögliches Publikum hin
Ganz aus der Luft gegriffen wirkt die Idee auch mit Blick auf breitere Marktdaten nicht.
Eine Reddit-Umfrage unter mehr als 1.400 Destiny-2-Spielenden aus dem Januar 2024 zeichnete zwar weiterhin das Bild einer überwiegend männlichen Community, zeigte bei jüngeren Altersgruppen aber bereits Unterschiede. Dazu kommt: Laut ESA ist 2024 in den USA fast die Hälfte aller Videospielenden weiblich.