Chatbots und Suchmaschinen liefern zurzeit frei erfundene Antworten zu „Duskbloods“, einem Spiel, das es gar nicht gibt. Ausgedacht hat sich das Ganze die Reddit-Community r/TheDuskbloods, als Running Gag.
Duskbloods: Reddit-Witz wird zu scheinbarem Faktenwissen
Wer aktuell nach Neuigkeiten zu „Duskbloods“ sucht, landet im Netz teilweise bei erstaunlich genauen Angaben: Bossgegner, Lore, Builds, sogar angebliche Reddit-Diskussionen mit Tipps zum Spielverlauf. Nur stimmt daran ein entscheidender Punkt nicht. „Duskbloods“ existiert überhaupt nicht. Trotzdem gingen Chatbots und Suchtools stellenweise so damit um, als lägen längst bestätigte Infos zu einem FromSoftware-Spiel für die Nintendo Switch 2 vor.
Der Ursprung liegt bei der Reddit-Community r/TheDuskbloods. Dort haben sich Nutzerinnen und Nutzer aus Langeweile und in Vorfreude auf mögliche Ankündigungen gemeinsam Details zu einem nicht existierenden Spiel ausgedacht. Intern bekam das Ganze einen eigenen Namen: „Duskposting“.
Was als Witz angefangen hatte, wurde von automatisierten Antwortsystemen offenbar als Quelle mitgenommen. Danach tauchten erfundene Reddit-Posts, Fantasie-Bosse, ausgedachte Story-Elemente und frei erfundene Gameplay-Tipps in Antworten auf, die oft auffallend selbstsicher klangen. Aus Satire wurde plötzlich etwas, das wie gesichertes Wissen wirkte.
Warum Reddit für Chatbots ein Risiko bleibt
Gerade im Gaming-Bereich ist das heikel. Communities leben dort von Spekulationen, Memes, Fake-Leaks und Running Gags. Wenn Systeme diesen Rahmen nicht sauber mitlesen, wird aus Community-Humor schnell eine falsche Wissensgrundlage.
Wie groß Reddits Einfluss inzwischen ist, zeigt laut einer Untersuchung des Analyseunternehmens Semrush eine ziemlich klare Zahl: Mehr als 40 Prozent der Zitate, auf die Chatbots zurückgriffen, stammten demnach von Reddit, noch vor Wikipedia. Auf Reddit steht eben alles direkt nebeneinander: Fachwissen, Gerüchte, Witze und bewusste Irreführung.
Dazu kommt die wirtschaftliche Seite. Google soll Medienberichten zufolge rund 60 Millionen US-Dollar für den Zugriff auf Reddit-Daten gezahlt haben, damit solche Systeme damit trainiert werden können. Je mehr Forenbeiträge in großem Stil eingespeist werden, desto eher landen darunter eben auch bewusst absurde Posts, die später in Antworten wieder auftauchen.
Kein Einzelfall
Der Fall um „Duskbloods“ ist also mehr als nur eine kuriose Gaming-Anekdote. Studien und Berichte aus den Jahren 2025 und 2026 zeigen immer wieder dasselbe Problem: Sprachmodelle tun sich schwer damit, Fiktion، Spekulation und überprüfbare Tatsachen auseinanderzuhalten. Sie greifen falsche Erzählungen wieder auf, formulieren Unsinn mit großer Überzeugung und stimmen in manchen Fällen sogar Verschwörungserzählungen zu.
Für die Spieleberichterstattung ist das ein ernstes Thema. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2024 sehen 63 Prozent der Games-Journalistinnen und -Journalisten den Einfluss solcher Systeme auf ihren Beruf negativ. Fehler verbreiten sich schneller, verifizierte Recherche verliert an Wert, und die Grenze zwischen bestätigten Informationen und maschinell erzeugtem Rauschen wird unschärfer.
Aus dem Witz kann mehr werden
Bis jetzt gilt „Duskbloods“ oft noch als lustiges Beispiel. Der Fall deutet aber auch auf ein deutlich ernsteres Szenario hin: Wenn sich erfundene Inhalte oft genug wiederholen und festsetzen, könnten Gruppen dieses Verhalten gezielt ausnutzen. Communities ließen sich dann bewusst mit Falschinformationen fluten, damit Chatbots sie später als verlässliche Information wiedergeben.
Für Spieler bleibt deshalb Vorsicht angesagt. Wenn ein angeblich kommendes FromSoftware-Spiel schon komplette Bosslisten und Lore-Einträge hat, obwohl es offiziell gar nicht existiert, lohnt es sich, lieber zweimal nachzuprüfen.