Das US-Satellitenprogramm GeoXO der Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA wird nach der Umstrukturierung unter der Trump-Regierung im April 2025 deutlich zusammengestrichen. Aus den ursprünglich geplanten sechs Satelliten werden nach Angaben der Behörde nur noch vier. Der Fokus soll stärker auf den „Kernaufgaben“ der Wetterbeobachtung liegen. Weg fällt damit auch GeoXO Atmospheric Composition, kurz ACX, also ausgerechnet die Funktion, die Waldbrandrauch und Luftschadstoffe im Blick behalten sollte.
Besonders heikel ist das Aus für den Sensor GeoXO Atmospheric Composition. Nach NOAA-Angaben sollte das Instrument hochauflösende Daten zu Ozon, Stickstoffdioxid, Feinstaub und Rauchwolken liefern. Genau diese Belastungen werden bei größeren und immer häufigeren Waldbränden für Millionen Menschen zum Gesundheitsproblem.
GeoXO verliert wichtige Luftqualitätsdaten
Für viele Fachleute ist die Streichung von ACX ein klarer Rückschritt. Der Sensor war dafür ausgelegt, ortsgenaue Luftqualitätsdaten über Nordamerika zu liefern, mit wiederholten Aktualisierungen über den Tag hinweg.
Gerade bei Rauchlagen zählt das. In betroffenen Regionen können sich Belastung und Windrichtung innerhalb weniger Stunden massiv verschieben.
Der Nutzen wäre auch nicht auf die Forschung beschränkt geblieben. Experten verweisen darauf, dass Menschen mit Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder kleinen Kindern im Haushalt direkt von genaueren Warnungen profitiert hätten.
In internen NOAA-Schätzungen lag der gesellschaftliche Gesundheitsnutzen solcher Daten pro Jahr bei rund 13 Milliarden.
Die Regierung begründete den Umbau vor allem mit Einsparungen und dem Ziel, das Programm stärker auf die Wettervorhersage zuzuschneiden. Kritiker halten diese Trennung für konstruiert.
Atmosphären-, Klima- und Luftqualitätsdaten fließen schließlich auch in Wettermodelle ein. Auf lange Sicht machen sie diese Modelle genauer.
Auch das Ocean Color Instrument (OCX) fällt aus dem Programm
Nicht nur ACX wurde gestrichen. Auch das Ocean Color Instrument, kurz OCX, ist aus dem Programm gefallen. Nach Angaben der NOAA sollte es Küstenökosysteme, Algenblüten und die Wasserqualität beobachten.
GeoXO verliert damit nicht bloß Möglichkeiten bei der Luftbeobachtung, sondern auch wichtige Instrumente, um Veränderungen in der Meeresumwelt zu verfolgen.
Die Kürzungen stehen außerdem nicht für sich. NOAA gerät insgesamt durch Haushaltskürzungen und Einschnitte bei Klima- und Umweltprogrammen unter Druck.
Wissenschaftler warnen schon jetzt, dass so nicht nur einzelne Sensoren verschwinden. Mit ihnen gehen auch Expertise, institutionelles Wissen und langfristige US-Kapazitäten in der Wetter- und Umweltüberwachung verloren.
Widerstand im Kongress, Alternativen mit Lücken
Im Kongress regt sich parteiübergreifend Widerstand. Der Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses hat versucht, Gelder zurückzuholen und fortgeschrittene Bildgebungs- und Sondierungsfähigkeiten im GeoXO-Programm zu sichern.
Ob das reichen wird, um Teile der gestrichenen Technik doch noch zu retten, ist offen.
Ganz ohne Daten zur Feuerüberwachung steht man zwar nicht da. Kommerzielle Projekte wie FireSat, internationale Systeme wie das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus sowie bestehende Angebote der US-Raumfahrtbehörde NASA und des US-Landwirtschaftsministeriums USDA liefern weiter Informationen zu Bränden und Rauch.
Nur: Es bleibt eine Lücke bei einer Luftqualitätsüberwachung, die speziell auf Nordamerika zugeschnitten ist, in hoher Frequenz arbeitet und aus dem geostationären Orbit nahezu in Echtzeit Daten liefert. Genau dafür war ACX gedacht. Für die Bevölkerung heißt das vor allem, dass künftige Rauchwarnungen womöglich ungenauer ausfallen, obwohl Extrembrände und schlechte Luft schon lange kein Ausnahmefall mehr sind.