In Android-Vorabversionen finden sich Hinweise darauf, dass Google Translate an einem neuen Widget für Android arbeitet. Es soll die Streak der Practice-Funktion direkt auf dem Startbildschirm anzeigen. Google greift damit ein Prinzip auf, das viele längst von Duolingo kennen: tägliche Serien, die einen bei der Stange halten. Offiziell hat Google die Funktion bisher nicht angekündigt. Entsprechend ist noch offen, wann das Widget breit ausgerollt wird, welche Sprachen zum Start dabei sind und ob iPhone-Nutzer unter iOS ebenfalls zeitnah darauf zugreifen können.
Google Translate: Ein neues Widget für Streaks ist offenbar unterwegs
Das Widget, an dem offenbar gearbeitet wird, hat vor allem eine Aufgabe: Es soll Nutzer regelmäßig zurück in die Practice-Funktion holen. Bislang öffnet man Google Translate meist dann, wenn man gerade einen Satz, ein Schild oder ein einzelnes Wort übersetzen will. Mit so einem Widget wäre die App deutlich sichtbarer im Alltag. Ein Blick auf den Homescreen würde dann reichen, um zu sehen, ob die eigene Serie noch läuft.
Genau diese Art von Gamification funktioniert in Lern-Apps seit Jahren erstaunlich gut. Duolingo hat das Streak-Prinzip fast schon zum eigenen Erkennungszeichen gemacht. Die Logik dahinter ist simpel: Wer schon mehrere Tage am Stück geübt hat, will diese Serie nur ungern reißen lassen. Und genau das führt oft dazu, dass man eher jeden Tag ein paar Minuten investiert, statt nur ab und zu eine längere Lerneinheit einzuschieben.
Practice soll aus Translate mehr als nur ein Werkzeug machen
Die Practice-Funktion gehört bei Google Translate noch zu den neueren Bereichen. Sie bietet interaktive Übungen und personalisierte Lektionen, die nicht einfach nur stumpfes Vokabellernen nach Schema F abspulen. Stattdessen geht es stärker um echte Gesprächssituationen und um Sprache, wie sie im Alltag tatsächlich benutzt wird. Damit entfernt sich Google Translate ein gutes Stück von seiner früheren, klar umrissenen Rolle als reines Übersetzungswerkzeug.
Das fügt sich in eine größere Entwicklung der App ein. Google will mit Translate offenbar längst nicht mehr nur Wörter und Sätze von einer Sprache in die andere schieben, sondern Sprache insgesamt besser verständlich machen. Dazu zählen natürlichere Formulierungen, mehr Gefühl für Kontext, Redewendungen und unterschiedliche Tonlagen. Vor diesem Hintergrund wirkt Practice wie der folgerichtige nächste Schritt.
Mehr Sprachen, mehr Druck für Duolingo und andere Lern-Apps
Google hat Practice zuletzt schon erweitert. Englischsprachige Nutzer können ab sofort unter anderem auch Deutsch und Portugiesisch lernen, zusätzlich zu Französisch und Spanisch. Andersherum wurde auch das Englischlernen für weitere Sprachen ausgebaut, darunter Bengalisch, Deutsch, Hindi, Italienisch, Niederländisch, Rumänisch, Schwedisch und vereinfachtes Chinesisch.
Damit wird Google Translate als Konkurrent für Duolingo und ähnliche Apps plötzlich deutlich spannender. Googles großer Vorteil liegt auf der Hand: Die App ist auf Millionen Smartphones ohnehin schon installiert und wird regelmäßig verwendet. Gerade für Gelegenheitslerner dürfte der Schritt vom schnellen Übersetzen hin zu ein paar Minuten täglichem Üben deshalb ziemlich klein ausfallen.
Noch ist allerdings unklar, wie viel von der in Android-Vorabversionen entdeckten Funktion am Ende tatsächlich in der fertigen Version für Android landet, und ob womöglich auch iOS etwas davon abbekommt. Solche App-Teardowns zeigen oft, woran Unternehmen gerade arbeiten. Sie zeigen nicht automatisch, was später wirklich veröffentlicht wird. Falls das Widget erscheint, wäre das trotzdem ein ziemlich klares Signal dafür , wohin sich Google Translate als Nächstes entwickelt.