Elon Musk hat auf X angekündigt, mit dem KI-Tool Grok Imagine von xAI eine „historisch korrekte“ Filmfassung von Homers „Odyssee“ zu produzieren. Sie soll noch vor Jahresende erscheinen. Gemeint ist das Ganze ausdrücklich als Gegenentwurf zu Christopher Nolans geplanter Adaption.
Gegenentwurf zu Christopher Nolan
Nach Musks Vorstellung soll das Projekt noch in diesem Jahr fertig werden und Homers Vorlage möglichst treu bleiben. Die Ankündigung kam nicht aus dem Nichts: Musk stellt seine Version ganz offen Christopher Nolans geplanter Verfilmung entgegen. Ein Streit, der bisher vor allem um Literaturadaptionen kreiste, landet damit nun auch mitten in der Unterhaltungsbranche und der Tech-Szene.
Seit Tagen schießt Elon Musk auf X gegen Christopher Nolans Umgang mit dem Stoff. Für ihn läuft alles auf eine Frage hinaus: Wie weit darf man bei einem klassischen Werk mit modernen Neuinterpretationen gehen?
Besonders stößt ihm die diverse Besetzung auf, etwa Lupita Nyong’o als Helena von Troja. Musk hält solche Entscheidungen für nicht werkgetreu. In Medien und sozialen Netzwerken wird der Vorstoß schon jetzt als neuer Austragungsort im amerikanischen Kulturkampf gelesen, rund um „wokes“ Casting, historische Authentizität und die politische Aufladung Hollywoods. Die einen sehen darin den Ruf nach Genauigkeit. Für die anderen ist es ein ideologischer Testfall.
Was Grok Imagine heute bietet
Schon jetzt lassen sich mit kurze Videosequenzen aus Texteingaben erzeugen. Das Tool liefert also zumindest die technische Basis für Musks Plan. Zwischen ein paar einzelnen Szenen und einem kompletten Kinofilm liegt allerdings eine riesige Strecke.
Eine vollständige „Odyssee“ bis zum Jahresende würde sehr viel längere und vor allem konsistente Bildfolgen brauchen. Dazu kämen stabile Figuren, glaubwürdige Welten, ein funktionierender erzählerischer Rhythmus und eine saubere visuelle Linie über die komplette Laufzeit. Selbst wenn die Entwicklung weiter rasant vorangeht, wäre das ein gewaltiger Sprung.
„Historisch korrekt“ bleibt umstritten
Gerade bei Homer sehen Fachleute diesen Begriff mit Skepsis. Die „Odyssee“ gilt als mythologisches Epos, gewachsen aus langen mündlichen Überlieferungen, nicht als sachlicher Tatsachenbericht. Jede Adaption muss also auswählen, auslegen und Schwerpunkte setzen.
Schon an der Grundfrage fängt es an: Welche Epoche soll überhaupt maßgeblich sein, welche materielle Kultur, welche Sprachform? Der Anspruch, daraus eine einzig „richtige“ Version abzuleiten, dürfte sich kaum sauber einlösen lassen.
Weitere Risiken und zweite Filmidee
Dazu kommen die bekannten Schwächen automatisierter Erzählwerkzeuge. Solche Systeme übernehmen mitunter Vorurteile, Stereotype oder schlichte Ungenauigkeiten aus ihrem Trainingsmaterial. Auch ein Film, der sich selbst als authentisch versteht, hängt am Ende davon ab, welche Quellen, Bilder und Lesarten in seine Produktion einfließen.
Nebenbei hat Elon Musk auf X noch eine zweite Idee in den Raum gestellt: eine klassische Realverfilmung, von ihm selbst finanziert und von Mel Gibson inszeniert, mit detailgetreuen Schiffen, Rüstungen und Waffen, einer passenden Besetzung sowie Dialogen im homerischen Griechisch. Ob daraus wirklich ein konkretes Projekt wird, ist völlig offen. Sicher ist nur eines: Die „Odyssee“ ist damit schon vor dem ersten Bild wieder zum Schauplatz eines alten Streits geworden, irgendwo zwischen Hollywood, Tech-Versprechen und der Frage, wem die Klassiker eigentlich gehören.
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