INTERCAL, die 1972 von den Princeton-Studenten Don Woods und James M. Lyon als Parodie auf Programmiersprachen entwickelt wurde, rückt im Juni 2025 wieder ins Blickfeld: Der originale Compiler ist veröffentlicht worden.
INTERCAL mit höflichem Zwang
Wer möchte, kann einen der berühmtesten Witze aus den frühen Tagen der Informatik jetzt wieder in seiner ursprünglichen Form nachvollziehen.
Die Wiederveröffentlichung des originalen Compilers ist mehr als nur eine nette Kuriosität. INTERCAL gilt bis heute als eine der einflussreichsten Satiren auf Sprachdesign, und die Sprache wurde ganz bewusst so gebaut, dass sie ihre Nutzer irritiert.
INTERCAL steht für „Compiler Language With No Pronounceable Acronym“ und stammt von den Princeton-Studenten Don Woods und James M. Lyon.
Schon der Name ließ wenig Zweifel daran, worum es hier geht: nicht um praktische Softwareentwicklung, sondern um eine Parodie auf die Programmiersprachen jener Zeit.
Besonders berühmt wurde INTERCAL wegen des Schlüsselworts „PLEASE“.
Tauchte „PLEASE“ zu selten auf, konnte der Compiler ein Programm als „insufficiently polite“ zurückweisen. Kam „PLEASE“ dagegen zu oft vor, galt der Code als „excessively polite“. Das eigentlich Schöne daran: Dieses Verhalten steckte schon im Original-Compiler und war anfangs nicht einmal dokumentiert.
Absichtlich kontraintuitiv
INTERCAL wurde von Anfang an so angelegt, dass es Erwartungen gezielt gegen den Strich bürstet.
Don Woods und James M. Lyon wollten eine Sprache bauen, die mit den damals gängigen Konzepten möglichst wenig gemeinsam hat. Heraus kam eine Anti-Programmiersprache, die willkürliche Designentscheidungen nicht nur nachahmt, sondern genüsslich persifliert.
Dazu gehören unter anderem Befehle wie „IGNORE“ und „FORGET“.
Noch berüchtigter ist allerdings „COME FROM“, die absurde Umkehrung des klassischen „GOTO“. Während „GOTO“ den Kontrollfluss an eine andere Stelle schickt, dreht „COME FROM“ die Idee einfach um und macht Programme absichtlich schwer lesbar.
Wer in INTERCAL Zahlen eingeben will, muss sie als ausgeschriebene englische Wörter notieren.
Die Ausgabe erscheint dafür in einer bewusst verdrehten Form römischer Zahlen. Effizienz war hier ganz offensichtlich nicht das Ziel.
Technisch dennoch ernst zu nehmen
Bei aller Satire ist INTERCAL technisch alles andere als belanglos.
Die Sprache ist Turing-vollständig und kann damit theoretisch jede Berechnung ausführen, die auch eine universelle Turing-Maschine leisten kann. Der Witz war nie, dass INTERCAL nichts könnte. Der Witz war, dass es alles auf die umständlichstmögliche Art kann.
Genau deshalb gilt INTERCAL als eine der ersten esoterischen Programmiersprachen.
Später hat INTERCAL die Esolang-Szene stark geprägt, und Varianten wie C-INTERCAL oder CLC-INTERCAL treiben dieses bewusst bizarre Sprachdesign bis heute weiter. Dass der originale INTERCAL-Compiler-Code im Juni 2025 veröffentlicht wurde, dürfte das Interesse an dieser Fußnote der Informatikgeschichte noch einmal spürbar anfachen.
Der originale INTERCAL-Compiler-Code steht seit Juni 2025 als Quelltext zum Download bereit.