Die langjährige Bond-Castingchefin Debbie McWilliams kann mit den derzeit meistgenannten Namen für die Nachfolge von James Bond bei Amazon MGM Studios wenig anfangen. In einem aktuellen Interview sagt sie ziemlich klar, dass diese prominenten Kandidaten aus ihrer Sicht nicht die beste Wahl wären. Die Reihe brauche wieder jemanden, den das Publikum nicht schon komplett zu kennen glaubt.
Keinen Star, dessen Privatleben längst ausgeleuchtet ist, sondern eher ein “Mysterium”. Jemanden, bei dem ein Rest Unschärfe bleibt, weil genau das die Figur schützt.
Wer der nächste James Bond werden sollte
Kaum jemand kennt die Reihe aus dieser Perspektive besser als Debbie McWilliams. Über mehr als 40 Jahre hinweg arbeitete sie als Casting Director der James-Bond-Filme und war an den Besetzungen von Timothy Dalton, Pierce Brosnan und später auch Daniel Craig beteiligt. Erst nach No Time to Die von 2021 zog sie sich aus dem Franchise zurück.
Im aktuellen Interview beschreibt McWilliams ziemlich deutlich, wonach sie bei Bond suchen würde: nach einem Schauspieler, über den das Publikum noch nicht zu viel weiß. Für sie ist genau das ein entscheidender Punkt. Nur so bleibt die besondere Aura der Figur erhalten.
Darum hält sie Namen wie Callum Turner, Harris Dickinson oder Jacob Elordi nicht für ideale Kandidaten. Nicht, weil es ihnen an Talent fehlen würde. Ihr Problem mit ihnen ist ein anderes: Diese Schauspieler sind dem Publikum aus ihrer Sicht bereits zu vertraut.
Für McWilliams ist Daniel Craig noch immer das beste Beispiel dafür, warum Bond-Produzenten besser nicht auf die lautesten öffentlichen Forderungen reagieren sollten. Als Craig damals verpflichtet wurde, schlug ihm zunächst viel Skepsis entgegen. Er galt nicht als die naheliegende Wunschbesetzung und war noch nicht der weltweite Star, zu dem er später wurde. Im Rückblick war genau das aber ein Glücksfall für die Reihe.
Bond soll glaubwürdig gefährlich wirken
Beim Bekanntheitsgrad hört McWilliams nicht auf. Auch bei der Identität der Figur hat sie eine klare Haltung. James Bond sollte ihrer Auffassung nach ein weißer Mann bleiben, so wie Ian Fleming ihn geschrieben hat. Genauso wichtig ist ihr, dass ein Darsteller eine echte “Lizenz zum Töten” ausstrahlt, also nicht nur Charisma besitzt, sondern auch eine spürbare Bedrohlichkeit und physische Präsenz mitbringt.
Und damit unterscheidet sich Bond-Casting ziemlich deutlich von normalem Star-Casting.
Es genügt eben nicht, gut auszusehen oder schon als Fan-Favorit gehandelt zu werden. Der Schauspieler muss glaubhaft rüberbringen, dass man ihm im Ernstfall zutraut, tatsächlich zu töten.
Amazons Bond-Zukunft nimmt Gestalt an
Die Suche nach dem nächsten Bond läuft inzwischen ohne McWilliams. Zuständig ist jetzt Casting-Direktorin Nina Gold, während Amazon MGM Studios die kreative Kontrolle über die Bond-Marke übernommen hat. Nach den bisherigen Berichten steht Denis Villeneuve für den nächsten Film bereits als Regisseur fest.
Dem Vernehmen nach geht der Castingprozess im August 2026 in die zweite Phase. Mit der Bekanntgabe des neuen Bond wird innerhalb der kommenden zwölf Monate gerechnet. Gleichzeitig plant Amazon MGM Studios offenbar, die Marke deutlich breiter aufzustellen, darunter mit Audiospielen und Videospielen, in denen zwischen 2026 und 2027 auch andere Schauspieler James Bond verkörpern sollen.
McWilliams sieht diese neue Ära eher mit Skepsis. Nach ihrer Einschätzung steht die Reihe kurz davor, sich “dramatisch” zu verändern.
Besonders kritisch findet sie, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos die Bond-Frage einmal per Social-Media-Umfrage an die Öffentlichkeit gegeben hat. Für eine Figur, deren Wirkung seit jeher vom Geheimnis lebt, ist das aus ihrer Sicht genau der falsche Ansatz. Ob Amazon MGM Studios am Ende einen bekannten Namen nimmt oder doch auf ein überraschendes neues Gesicht setzt, ist weiter offen. Für McWilliams selbst wäre die Sache klar: weniger Prominenz, mehr Rätsel.