Marvel hat für Dezember 2026 die neue X-Men-Serie „Maximum X-Men“ angekündigt. Geschrieben wird sie von Christopher Yost, gezeichnet von Tony S. Daniel. Nach Marvels Angaben schließt die Reihe an das Event „Avengers: Armageddon“ an, rückt ein von Storm geführtes Team in den Mittelpunkt und löst vor allem wegen einer Personalie Diskussionen aus: Betsy Braddock taucht wieder unter dem Codenamen Psylocke auf.
Betsy Braddock ist wieder Psylocke
„Maximum X-Men“ geht laut Marvel direkt aus „Avengers: Armageddon“ hervor und setzt auf ein Team, das Storm anführt. Trotzdem drehen sich die meisten Reaktionen im Moment kaum um die eigentliche Story oder das Line-up. Fast alles läuft auf dieselbe Frage hinaus: Warum kehrt Betsy Braddock jetzt wieder als Psylocke zurück?
Genau da beginnt der Ärger. Marvel hatte die Dynamik zwischen den Figuren erst vor wenigen Jahren neu sortiert. Seitdem war in den Comics Kwannon die Psylocke, während Betsy Braddock einen anderen Platz im X-Men-Kosmos einnahm. Wenn jetzt plötzlich wieder Betsy unter diesem bekannten Namen auftaucht, steht sofort im Raum, was das für Kwannon heißt und ob Marvel damit eine Entwicklung wieder unscharf macht, die gerade erst mühsam geklärt worden war.
Warum Psylocke seit 1989 ein Reizthema ist
Der Hintergrund dafür reicht zurück bis zu einer Storyline aus dem Jahr 1989. Damals geriet Betsy Braddock, ursprünglich eine weiße britische Telepathin, in eine Handlung, in der ihr Bewusstsein in den Körper von Kwannon versetzt wurde, einer japanischen Assassinin. Genau diese Fassung der Figur wurde in den Jahren danach zur bekanntesten und populärsten Inkarnation von Psylocke.
Mit der Zeit kam allerdings immer mehr Kritik auf. Viele Fans lasen darin ein rassistisches Muster oder kulturelle Aneignung: Eine weiße Figur wurde in einem asiatischen Körper zur cooleren, besser vermarktbaren Version von Psylocke. Was im Comic-Kanon lange einfach mitgetragen wurde, gilt heute für viele als eines der unangenehmsten Vermächtnisse dieser Ära.
Der Reset von 2018 wirft schon wieder neue Fragen auf
Mit „Hunt for Wolverine“ trennte Marvel Betsy Braddock und Kwannon 2018 wieder und gab beiden ihre eigenen Körper zurück. Danach wirkte die Rollenverteilung deutlich klarer. Betsy Braddock entwickelte sich als Captain Britain weiter. Kwannon übernahm den Namen Psylocke. Diese Fassung wurde in mehreren Teamserien verankert und bekam 2024 sogar unter anderem eine eigene Solo-Reihe.
Gerade deshalb ist die Unsicherheit jetzt so groß. Marvel hat bisher nicht erklärt, ob Kwannon den Namen Psylocke behält, ob sie einen neuen Codenamen bekommt oder ob sie neben Betsy Braddock in „Maximum X-Men“ auftaucht. Dass dazu bislang nichts gesagt wurde, heizt die Debatte eher noch an.
Entsprechend gespalten fallen die Reaktionen aus. Ein Teil der Fans sieht in Betsy Braddock nach wie vor die klassische, zumindest aber die bekannteste Psylocke. Andere halten diese Rückkehr für einen problematischen Schritt zurück, weil damit genau die Fortschritte verwässert würden, die durch die Trennung der beiden Figuren und Kwannons eigenständige Entwicklung erreicht worden waren.
Editor Tom Brevoort hat Betsy Braddock bereits als chaotischen, nur schwer sauber aufzulösenden Fall beschrieben und offen eingeräumt, dass es unter Fans keinen klaren Konsens gibt: Soll Betsy Braddock Psylocke sein, Captain Britain oder etwas ganz anderes? Damit ist „Maximum X-Men“ schon jetzt mehr als bloß der nächste Relaunch.