Meta Platforms hat am Freitag, dem 10. Juli, nach eigenen Angaben mit Meta Compute einen Plan vorgestellt, freie Rechenkapazität und hauseigene Modelle an externe Kunden zu vermarkten. Laut Marktdaten legte die Aktie noch am selben Tag um rund 6 Prozent zu und kam auf Wochensicht auf ein Plus von etwa 15 Prozent.
Nach Marktdaten war das die stärkste Woche seit Anfang 2024.
Meta Compute als neues Geschäftsfeld
Mit Meta Compute will Meta nach eigenen Angaben freie Rechenkapazität und eigene Modelle externen Kunden anbieten. Der Konzern würde damit nicht mehr nur Infrastruktur für die eigenen Dienste hochziehen, sondern direkt in den Markt für Cloud- und Rechenleistungen gehen, also in einen Bereich, in dem Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud den Ton angeben.
Für Anleger steckt die eigentliche Botschaft woanders: Aus einer extrem teuren Infrastruktur-Offensive könnte doch noch ein neues Umsatzfeld werden. Genau daran hatten zuletzt viele Zweifel, nachdem Meta laut Unternehmensangaben für 2026 Investitionen von 125 bis 145 Milliarden in Aussicht gestellt hatte.
Werbung bleibt stark, die Fantasie kommt aus der Cloud
Noch immer stammen rund 98 Prozent der Einnahmen laut Meta aus Werbung. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben auf 56,3 Milliarden, das waren 33 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die aktuelle Reaktion am Markt hat deshalb weniger mit dem Anzeigengeschäft zu tun. Der Treiber ist eher die Hoffnung auf ein zweites Standbein. Wolfe Research rechnet vor, dass jedes Gigawatt erfolgreich vermarkteter Rechenleistung bei einem Umsatz von etwa 25 Milliarden den Gewinn je Aktie um rund 20 Prozent erhöhen könnte.
Auch am Terminmarkt war sofort Bewegung zu sehen: Laut Marktdaten lag das Optionsvolumen bei mehr als dem Dreifachen des 30-Tage-Durchschnitts, und 78 Prozent der Prämien aus einem Volumen von 1,8 Milliarden entfielen auf Kaufoptionen. Die Kursziele der Analysten für die kommenden zwölf Monate liegen laut Marktdaten grob zwischen 720 und 869.
Neue Modelle und eigene Chips
Vorgestellt wurden nach Angaben von Meta unter anderem Muse Image und Muse Video. Mit Muse Spark 1.1 bringt Meta über die Meta Model API laut Meta außerdem das erste kostenpflichtige Modell an den Start. Gleichzeitig schiebt der Konzern seine eigenen MTIA-Chips weiter nach vorn. Die erste Generation mit dem Namen Iris soll laut Meta ab September 2026 in die Massenproduktion gehen und die Abhängigkeit von Nvidia verringern.
Der Vorsprung der Konkurrenz bleibt ein Risiko
Bislang hat Meta Compute noch nichts verkauft, und Erfahrung mit einem Cloud-Geschäft für externe Kunden hat Meta ebenfalls nicht. Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud haben bei Infrastruktur, Unternehmenskunden und Vertrauen einen Vorsprung von rund zehn Jahren.
Dazu kommt eine unangenehme Frage: Ist das Vermieten überschüssiger Rechenleistung kluge Monetarisierung oder eher ein Hinweis darauf, dass Meta zu viel Kapazität aufgebaut hat? Der Konzern strich laut Meta zuletzt außerdem rund 8.000 Stellen, meldete gleichzeitig Rekordumsätze und steckt weiter aggressiv Geld in Infrastruktur.
An der Börse überwiegt im Moment trotzdem die Sicht, dass Meta zum ersten Mal halbwegs schlüssig gezeigt hat, wie aus einer teuren Wette ein Geschäft werden könnte.