Meta hat das interne Pflichtprogramm Model Capability Initiative, kurz MCI, nach einem Datenleck vorerst angehalten. Nach internen Angaben wurde das Projekt, das seit April 2026 für den Großteil der Beschäftigten in den USA lief, gestoppt, weil Daten in rund 45.000 Hive-Tabellen sehr viel breiter zugänglich waren als vorgesehen.
MCI nach Datenleck vorübergehend gestoppt
Im Zentrum der Affäre steht die Model Capability Initiative, die Meta im April 2026 für den Großteil seiner Beschäftigten in den USA eingeführt hatte. Nach internen Informationen zog das Unternehmen nun die Reißleine. Ausschlaggebend war, dass Daten in etwa 45.000 Hive-Tabellen offenbar deutlich weiter offenlagen als geplant.
Intern soll der Vorfall als SEV-2 eingestuft worden sein. Einsehbar waren demnach unter anderem private Chats, Leistungskennzahlen, Transkripte und womöglich sogar Steuer- und Gesundheitsdaten.
Gerade für Meta ist das besonders brisant. Der Konzern sitzt selbst auf gewaltigen Datenbeständen.
Welche Daten das Programm erfasste
Mit der Model Capability Initiative wollte Meta die Qualität seiner digitalen Agenten steigern, indem echte Arbeitsabläufe im Unternehmen aufgezeichnet werden. Berichten zufolge erfasste das System dafür Tastatureingaben, Mausbewegungen und in regelmäßigen Abständen auch Bildschirmaufnahmen, und zwar quer über mehr als 200 Anwendungen und Websites hinweg.
Für Beschäftigte in den USA war die Teilnahme anfangs verpflichtend. Eine Möglichkeit, sich davon auszunehmen, war für diese Gruppe laut den Berichten zunächst nicht vorgesehen.
Erst als intern Kritik lauter wurde, erlaubte Meta, die Erfassung jeweils für 30 Minuten zu pausieren. Intern hielt man auch diese Lösung den Berichten nach für unzureichend.
Widerstand aus der Belegschaft
Schon vor dem Stopp hatten laut internen Informationen mehr als 1.600 Mitarbeiter eine Petition gegen das Programm unterschrieben. Die Kritik richtete sich gegen Datenschutzprobleme, Überwachung und mangelnde Transparenz, aber auch gegen ganz praktische Folgen im Arbeitsalltag.
Beschäftigte berichteten laut den Berichten von höherem Akkuverbrauch bei Laptops und einer starken Belastung privater Internetanschlüsse im Homeoffice. Mark Zuckerberg soll das Projekt intern damit verteidigt haben, dass Modelle am meisten lernen, wenn sie „wirklich kluge Menschen bei der Arbeit beobachten“.
Aus seiner Sicht seien Beschäftigte dafür wertvoller als externe Auftragnehmer.
Vertrauenskrise und rechtliche Risiken
Der Zeitpunkt macht die Lage noch heikler, weil Meta bereits mit Entlassungen, Sparmaßnahmen und wachsendem Unmut über hohe Investitionen in neue Systeme zu tun hatte. Das Datenleck dürfte das ohnehin brüchige Vertrauen in vielen Teams weiter beschädigt haben.
Hinzu kommen mögliche rechtliche Risiken. Fachleute bemängeln laut den Berichten unzureichende Zugriffskontrollen. Falls auch Kommunikation mit Kollegen in Europa erfasst wurde, stellen sich außerdem Fragen nach Einwilligung, Zweckbindung und internationalen Datenschutzvorgaben.
Meta hat das Programm damit zwar erst einmal gestoppt. Die eigentliche Aufarbeitung fängt jetzt aber erst an.