Microsoft muss in Brasilien nach einem Gerichtsbeschluss ein dauerhaft gesperrtes Xbox-Konto binnen 15 Tagen wieder freischalten. Das geht aus dem Urteil und aus dazu veröffentlichten Berichten hervor. Geklagt hatte ein brasilianischer Xbox-Nutzer mit dem Online-Namen „Ordo_Liberal“, nachdem sein Konto nach einem mutmaßlichen Hack dauerhaft gesperrt worden war. Mit der Sperre war für ihn auch der Zugriff auf seine digital gekauften Xbox-Spiele weg.
Das zuständige Gericht in Brasilien ordnete an, dass Microsoft das Konto mitsamt aller Inhalte innerhalb von 15 Tagen wiederherstellen muss. Dazu sprach das Gericht dem Kläger wegen „immaterieller Schäden“ eine Entschädigung von umgerechnet rund 400 Euro zu. Falls das Urteil ignoriert wird, könnten nach den vorliegenden Berichten tägliche Strafzahlungen fällig werden.
Gehacktes Xbox-Konto: Warum der Fall für Microsoft heikel ist
Nach Darstellung des Spielers hatte der Microsoft-Support unbefugte Zugriffe auf das Konto sowie Änderungen an den Sicherheitsdaten bestätigt. Trotzdem soll ihm mitgeteilt worden sein, dass der Kundendienst das Konto nicht wiederherstellen könne.
Die dauerhafte Sperre sei demnach die einzige Maßnahme gewesen, um eine weitere Nutzung zu unterbinden.
Besonders heikel wird die Sache durch einen weiteren Vorwurf: Der Betroffene sagt, man habe ihm geraten, seine zuvor digital gekauften Spiele einfach noch einmal zu kaufen. Das sorgte erst recht für Ärger, weil er nach eigenen Angaben sogar Belege vorgelegt hatte, dass auf dem Konto die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert war.
Gerade im Xbox-System kann sich über Jahre eine rein digitale Bibliothek ansammeln. Geht der Account verloren, verschwindet im Zweifel nicht nur ein Profil, sondern eine komplette Spielesammlung.
Brasiliens Verbraucherschutz spielte offenbar eine Schlüsselrolle
Verhandelt wurde der Fall laut Gerichtsbeschluss und den dazu vorliegenden Berichten in Brasilien. Genau das könnte am Ende entscheidend gewesen sein, denn das Land gilt beim Verbraucherschutz als vergleichsweise streng, auch wenn es um große Tech-Konzerne und Plattformbetreiber geht.
Kleinere Klagen lassen sich dort Berichten zufolge oft mit wenig oder sogar ganz ohne Kostenrisiko einreichen.
Nach den vorliegenden Informationen nutzte der Kläger sogar einen staatlichen Rechtsbeistand beziehungsweise eine öffentliche Rechtsvertretung, ohne selbst Anwaltskosten übernehmen zu müssen. Der Fall zeigt damit auch, dass Plattformregeln und Nutzungsbedingungen nicht automatisch über nationalem Verbraucherschutzrecht stehen. Microsoft hat sich zu der Entscheidung Berichten zufolge bisher nicht öffentlich geäußert.
Der größere Streit um digitale Käufe
Der Fall reiht sich in eine Debatte ein, die längst weit über Xbox hinausgeht. Viele Käufer gehen davon aus, dass ihnen digital gekaufte Spiele tatsächlich gehören.
In der Praxis behandeln viele Anbieter solche Käufe aber eher als widerrufbare Lizenzen, die an ein Konto, an eine Plattform oder an laufende Dienste gebunden sind.
Neue Aufmerksamkeit bekam diese Diskussion unter anderem durch Initiativen wie „Stop Killing Games“, durch Ubisofts Umgang mit „The Crew“ und durch Sonys Entfernung zuvor gekaufter PlayStation-Filme aus Nutzerbibliotheken. Das brasilianische Urteil macht damit deutlich, dass Gerichte digitale Konten und gekaufte Inhalte nicht nur als technische Servicefrage behandeln müssen, sondern auch als ganz konkretes Verbraucherrecht.
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