Nintendo hat in Europa ab sofort eine offizielle Anleitung veröffentlicht, mit der sich der Akku der Joy-Cons der Nintendo Switch austauschen lässt. Auf den ersten Blick klingt das ziemlich verbraucherfreundlich. In der Praxis ist der Vorgang aber deutlich mehr als ein schneller Batteriewechsel: Nintendo setzt dafür ein offizielles Akkutausch-Set voraus, und die neue Anleitung gilt nach Angaben des Unternehmens nur für überarbeitete Joy-Con-Modelle.
Neue Regeln nur für Europa-Modelle
Der Auslöser sind neue EU-Vorgaben zum Recht auf Reparatur und zu Batterien. Sie sollen dazu führen, dass sich Geräteakkus bis 2027 für Nutzer spürbar leichter austauschen lassen. Stand jetzt können Sie den Akku aber nur bei überarbeiteten originalen Joy-Cons mit den Modellnummern HAC-015-01 und HAC-016-01 offiziell selbst wechseln. Laut Nintendo werden genau diese Modelle in Europa verkauft.
Joy-Cons, die bereits im Umlauf sind, fallen nicht darunter. Controller aus anderen Regionen ebenfalls nicht. Wer schon ein älteres Set besitzt, kann aus der neuen Nintendo-Anleitung also keinen offiziellen Weg zur Selbstreparatur ableiten.
Battery Replacement Kit statt Schnellwechsel
Mit dem offiziellen Battery Replacement Kit liefert Nintendo den Ersatzakku und das nötige Werkzeug gleich mit. Enthalten sind laut Nintendo unter anderem ein Schraubendreher, Kunststoffpinzetten, ein Spudger-Werkzeug und Klebestreifen.
Von einem einfachen Akkuwechsel kann trotzdem keine Rede sein. Statt einer kleinen Klappe beschreibt Nintendo eher eine partielle Zerlegung des Controllers, verteilt auf 13 einzelne Schritte. Die Anleitung liest sich damit eher wie eine geführte Demontage als wie ein besonders einfacher Tausch für Endkunden. Ein Punkt fällt dabei allerdings positiv auf: Die überarbeiteten Europa-Modelle sollen reparaturfreundlicher aufgebaut sein. Aus der Anleitung geht hervor, dass Nintendo hier auf normale Phillips-Schrauben setzt und nicht mehr auf die früher oft kritisierten Tri-Wing-Schrauben. Das macht das Öffnen der Joy-Cons wenigstens etwas weniger umständlich.
Reparierbarkeit vor dem Hintergrund des Joy-Con-Drifts
Das Thema Reparatur trifft Nintendo seit Jahren an einem wunden Punkt. Die Joy-Cons stehen wegen des sogenannten Joy-Con-Drifts schon lange in der Kritik. Beschwerden, Sammelklagen und Untersuchungen haben das Problem längst zu einem dauerhaften Reputationsschaden gemacht. In Frankreich verhängten Regulierungsbehörden 2026 zusätzlich eine Strafe von 35 Millionen Euro, weil Verbraucher zu Defekten irreführend informiert worden seien.
Gerade deshalb ist der Schritt hin zu besserer Reparierbarkeit relevant, auch wenn er im Moment nur einen kleinen Teil des Markts abdeckt. Weiter offen bleibt, ob Nintendo die leichter zu reparierenden Joy-Cons auch außerhalb Europas anbieten wird. Unklar ist außerdem, was das Nintendo Battery Replacement Kit kosten soll. Ohne diesen Preis lässt sich kaum einschätzen, ob sich der Austausch am Ende finanziell lohnt oder ob viele Käufer doch lieber direkt zu einem neuen Controller greifen.
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