Nokia hat heute zusammen mit NVIDIA eine neue RAN-Plattform für 5G-Advanced, später auch 6G, vorgestellt. Nach Darstellung des Unternehmens steckt dahinter eine Kombination aus Nokias anyRAN-Software und NVIDIAs Aerial-Plattform. Das Funknetz soll damit deutlich stärker in Richtung Software rücken.
Mehr Software und GPUs im Funknetz
Konkret bringt die neue Lösung, so Nokia, die eigene anyRAN-Software mit NVIDIAs Aerial-Plattform für Funknetze zusammen. Dahinter steht die Idee einer stärker softwaredefinierten RAN-Architektur, bei der sich Rechenlast flexibler verteilen lässt und GPU-Beschleunigung eine größere Rolle spielt.
Nokia versteht die Plattform als kommerzielle Lösung für die nächste Ausbaustufe heutiger Mobilfunknetze. Gleichzeitig soll sie das Fundament für spätere 6G-Funktionen legen.
Für Netzbetreiber dürfte vor allem ein Punkt zählen: Bestehende Standorte müssen laut Nokia nicht komplett ersetzt werden. Anstatt dedizierte Baseband-Hardware vollständig auszutauschen, lässt sich zusätzliche Rechenleistung über GPUs ergänzen.
Auch bei der Einführung setzt Nokia auf einen stufenweisen Ansatz. Die Technik soll sich per Software-Abonnement und in mehreren Ausbaustufen in die Netze bringen lassen.
Mehr Kapazität aus vorhandenem Spektrum
Bei den Leistungsversprechen geht Nokia ziemlich offensiv vor. In Vorführungen habe die Plattform bereits Spektraleffizienzgewinne von mehr als 20 Prozent erreicht, sagt das Unternehmen.
Bis 2027 peilt Nokia nach eigenen Angaben rund 50 Prozent an, bis 2028 sogar mehr als 100 Prozent. Wenn das so eintritt, ließe sich aus dem bereits vorhandenen Frequenzspektrum perspektivisch ungefähr die doppelte Kapazität herausholen.
Gerade in dicht besiedelten Städten wäre das relevant. Dort zählt jeder zusätzliche Effizienzgewinn, weil Netzbetreiber damit mehr Nutzer gleichzeitig mit stabilen Datenraten versorgen können.
Einführung in drei Ausbaustufen
Für den Einstieg nennt Nokia drei Wege: eine GPU-Steckkarte für bestehende AirScale-Standorte, einen eigenständigen RAN-Knoten und eine Cloud-Variante. Der Umstieg soll damit schrittweise möglich sein, was die Einstiegshürde senken dürfte.
Pilotinstallationen sind laut Nokia für Ende 2026 vorgesehen. Die breite Verfügbarkeit soll 2027 folgen.
Für Nokia selbst hat das Ganze auch strategisches Gewicht. Das Unternehmen setzt stärker auf wiederkehrende Software-Erlöse und weniger auf das klassische Geschäft mit neuer Netz-Hardware.
NVIDIA und erste Betreiber an Bord
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt das Projekt durch die enge Partnerschaft mit NVIDIA. Berichten zufolge investiert der Chipkonzern 1 Milliarde in Nokia.
In Tests und Feldversuchen arbeitet laut Nokia bereits T-Mobile US mit. Elisa, SoftBank und Indosat beteiligen sich demnach an Demonstrationen und Funktionstests. Außerdem zählt Nokia nach eigenen Angaben zu den Gründungsmitgliedern einer Branchenallianz, die lernende Verfahren in Funknetzen vorantreiben soll.
Konkurrenz und offene Fragen
Entschieden ist der Markt damit noch lange nicht. Ericsson hat ebenfalls kommerzielle Software für intelligentere RAN-Funktionen vorgestellt, verfolgt aber einen anderen Weg: Das Unternehmen setzt auf vorhandene Baseband-Technik und kommt ohne GPUs aus.
Genau an diesem Punkt verläuft die große Debatte in der Branche. Die eine Seite setzt auf tiefere GPU-Integration mit Aussicht auf mehr Flexibilität und mehr Leistung. Die andere hält hardwareflexiblere und womöglich günstigere Ansätze für überzeugender.
Offen sind dabei mehrere Fragen: Kosten, Leistungsaufnahme, Alltagstauglichkeit der Performance und der tatsächliche wirtschaftliche Nutzen. Dazu kommt, dass unklar ist, wie stark die Vorteile außerhalb dichter urbaner Netze am Ende wirklich ausfallen.
Für ländliche Regionen und preissensible Märkte gibt es dazu bislang keine belastbaren Antworten.
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