Nvidia hat nach Angaben aus Branchenkreisen seine Verkaufsregeln für Hochleistungs-Chips in Asien mit sofortiger Wirkung verschärft. Der Konzern arbeitet nun mit einer neuen Whitelist autorisierter Käufer. Auslöser ist eine Klarstellung des US-Handelsministeriums vom 31. Mai: Fortgeschrittene Chips brauchen eine Exportlizenz, sobald die oberste Muttergesellschaft eines Käufers in China oder Macau sitzt.
Whitelist für autorisierte Käufer
In der Region setzt Nvidia nach Informationen aus der Branche ab sofort auf eine neue Liste zugelassener Käufer für Server, Rechenzentren und Cloud-Anbieter in Asien. Mehr als die Hälfte der bisherigen Kunden ist nach diesen Angaben von der Liste gestrichen worden.
Für betroffene Firmen ist die Tür allerdings nicht endgültig zu. Sie können später erneut eine Freigabe beantragen, wenn sie bessere Compliance-Nachweise vorlegen.
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Aus Washington wächst der Druck schon seit Längerem. Seit der Klarstellung des US-Handelsministeriums vom 31. Mai gilt: Für fortschrittliche Chips ist eine Exportlizenz fällig, sobald die oberste Muttergesellschaft eines Käufers in China oder Macau sitzt.
Wo die Bestellung aufgegeben wird, spielt nach Angaben des Ministeriums dabei keine Rolle.
Strengere Prüfungen in Singapur, Malaysia und Japan
Besonders genau schaut Nvidia Branchenkreisen zufolge derzeit auf Geschäfte in Singapur, Malaysia und Japan. Diese Märkte tauchten in den vergangenen zwei Jahren immer wieder in Fällen auf, in denen Hardware mutmaßlich über Drittstaaten umgeleitet wurde.
Für Nvidia ist die Region bei Servern, Rechenzentren und Cloud-Anbietern wichtig. Gleichzeitig gilt sie als anfällig für komplizierte Zwischenhändler- und Eigentümerstrukturen.
Neu ist vor allem, wie weit Nvidia inzwischen in die Prüfung seiner Kunden hineingeht. Es geht längst nicht mehr nur um die Frage, wohin eine Lieferung auf dem Papier verschickt wird.
Mitarbeiter des Konzerns sollen nach Angaben aus der Branche Rechenzentren besuchen, Verträge durchsehen und Endnutzer befragen. Im Mittelpunkt stehen damit nicht mehr nur Transportwege, sondern auch Eigentumsverhältnisse, Kontrolle und die tatsächliche Nutzung der Systeme.
Ermittlungen und hohe Aufschläge als Auslöser
Ein weiterer Auslöser sind aktuelle Ermittlungen. Im März erhoben US-Staatsanwälte Anklage gegen einen Mitgründer von Supermicro sowie gegen zwei Mitarbeiter.
Die Staatsanwälte werfen ihnen ein mutmaßliches System vor, über das Hardware im Wert von rund 2,5 Milliarden Dollar über einen südostasiatischen Mittelsmann nach China gelangt sein soll. Laut Anklage führte ein Teil der Route über Taiwan.
Dazu kommt ein erheblicher finanzieller Anreiz. Server von Nvidia, die Exportbeschränkungen unterliegen, werden Branchenangaben zufolge in China mit massiven Aufschlägen gehandelt.
Systeme mit Nvidia-B300-Beschleunigern kosteten demnach zum Teil rund 1 Million Dollar, also etwa doppelt so viel wie der Listenpreis in den USA. Bei manchen High-End-Servern sollen sich die Preise innerhalb von sechs Monaten sogar verdoppelt haben.
Folgen für Cloud-Anbieter und den Wettbewerb
Besonders hart trifft die neue Freigabeliste nach Einschätzung aus der Branche schnell wachsende Cloud- und Infrastrukturbetreiber in Südostasien. Vor allem Malaysia hat sich mit günstigen Grundstücken und vergleichsweise billigem Strom zu einem wichtigen Standort für neue Rechenzentren entwickelt.
Unter Druck geraten dort auch Unternehmen mit legitimen Geschäften, deren Eigentümerstruktur sich wegen Beteiligungen, Holdings oder regionaler Tochtergesellschaften nur schwer durchschauen lässt.
Für Nvidia entsteht daraus ein klarer Zielkonflikt. Strengere Compliance verringert das Risiko von Umgehungsgeschäften, kann aber zugleich echte Kunden ausbremsen und Umsatz kosten.
Und noch etwas kommt hinzu: Käufer könnten zu Anbietern abwandern, die weniger strenge Auflagen machen. Davon dürften im Heimatmarkt auch chinesische Chipentwickler profitieren. Nvidia baut in Asien also nicht nur seine Vertriebsliste um, sondern das gesamte Kontrollsystem.