Am 12. Juni 2026 hat Anthropic den Zugang zu den Cloud-Modellen Claude Fable 5 und Mythos 5 weltweit gesperrt, weil das US-Handelsministerium es so angeordnet hatte. Nach Darstellung der Behörde durfte Anthropic ausländischen Staatsangehörigen gleich ob in den USA oder außerhalb, keinen Zugriff mehr auf die Modelle gewähren. Anthropic erklärte zugleich, dass sich die Staatsangehörigkeit aller Nutzer nicht verlässlich und in Echtzeit prüfen lasse. Die Folge kam sofort: Die Dienste waren kurzfristig für alle Nutzer weltweit nicht mehr erreichbar. Seit dem 30. Juni lässt sich Fable 5 wieder nutzen. Anthropic hat das Modell nach zusätzlichen Schutzmechanismen erneut freigeschaltet.
US-Exportkontrollen erfassen erstmals Cloud-Modelle
Nach Einschätzung von Legion LegalTech ist das der erste bekannte Fall, in dem die USA Exportkontrollen auf einen kommerziell verfügbaren Cloud-Dienst anwenden. Bisher richteten sich solche Maßnahmen laut US-Handelsministerium vor allem gegen Chips, Fertigungsanlagen oder Softwarecode.
Anthropic stellt Ihnen die Modelle als Cloud-Dienst bereit. Genau daran entzündet sich der politische Streit. Wenn sich diese Lesart durchsetzt, kann Washington den Zugang zu Modellen, die in den USA betrieben werden, in Zukunft sehr viel direkter steuern.
Die US-Regierung begründet den Schritt mit nationalen Sicherheitsinteressen. Nach Angaben des US-Handelsministeriums lassen sich die Systeme per Jailbreak womöglich dazu bringen, Software-Schwachstellen aufzuspüren, die Gegner später ausnutzen könnten. In Washington zieht dieses Argument auch deshalb stärker, weil leistungsfähige Modelle längst nicht mehr nur Texte erzeugen, sondern Sie ebenso bei anspruchsvollen technischen Aufgaben unterstützen.
Juristische Grundlage bleibt umstritten
Die Anordnung stützt sich nach Angaben des US-Handelsministeriums auf den Export Control Reform Act von 2018. Das Gesetz bezieht sich auf „emerging and foundational technologies“.
Ob diese Ermächtigung ohne Weiteres auch Cloud-Dienste erfasst, die auf Servern in den USA laufen und von dort aus bloß genutzt werden, halten Juristen allerdings für zweifelhaft. Beim Cloud-Zugriff können Sie den Dienst verwenden, ohne dass klassische Waren exportiert werden.
Gegen genau diese Auslegung klagt jetzt das US-Startup Legion LegalTech. Das Unternehmen nutzt die Modelle und beschäftigt kanadische Staatsangehörige. In seiner Klage wirft es der Behörde vor, ihre gesetzliche Befugnis überschritten zu haben.
Daneben liegt mit dem vorgeschlagenen Remote Access Security Act bereits ein Gesetzesvorhaben auf dem Tisch. Es würde dem Bureau of Industry and Security, kurz BIS, ausdrücklich mehr Macht über den Fernzugriff auf kontrollierte Technologien geben.
Strategiewechsel mit Folgen für Europa
Der Streit fügt sich in die größere US-Strategie ein, technologische Vorsprünge mit Exportkontrollen abzusichern, besonders gegenüber China. Neu daran ist nicht die Richtung, sondern der Gegenstand: Im Fokus stehen nicht mehr nur die Werkzeuge zur Herstellung fortschrittlicher Systeme, sondern die Systeme selbst.
In Europa wächst deshalb die Sorge, dass US-Anbieter am Ende über einen faktischen Kill Switch verfügen. Für internationale Geschäftskunden stellt sich damit sehr konkret die Frage, wie verlässlich amerikanische Cloud-Anbieter noch sind, wenn zentrale Dienste weltweit per Regierungsanordnung abgeschaltet werden können.
An diesem Rechtsstreit hängt also auch, ob die USA künftig weltweit festlegen können, wer moderne Modelle nutzen darf.
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