Google Cloud bringt die Large Quantitative Models, kurz LQMs, von SandboxAQ in den Google Cloud Marketplace. Gemeint sind spezialisierte KI-Modelle für wissenschaftliche Berechnungen. Gedacht sind sie laut Google Cloud für Forschung und Industrie, vor allem für Einsatzfelder wie Wirkstoffforschung, Materialwissenschaft und Anwendungen rund um Halbleiter.
Quantitative Modelle für wissenschaftliche Aufgaben
Für Google hat der Schritt strategisches Gewicht: Der Konzern setzt nicht allein auf allgemeine Sprachmodelle, sondern erweitert sein Angebot um Werkzeuge von SandboxAQ, die für Zahlen, Formeln und Messdaten gebaut wurden.
SandboxAQ ist Google Cloud zufolge 2022 aus Alphabets X-Abteilung hervorgegangen.
Im Zentrum stehen die sogenannten Large Quantitative Models. Im Unterschied zu klassischen großen Sprachmodellen wurden diese Systeme laut Google Cloud mit wissenschaftlichen Gleichungen, numerischen Datensätzen und Laborwerten trainiert.
Gerade in Chemie, Biologie und Physik soll das belastbarere Zahlen, Strukturen und Vorhersagen liefern, statt bloß gut klingende Texte.
Ergänzung zu Gemini
Google versteht die Modelle laut Google Cloud als Ergänzung zu den bestehenden Angeboten auf Google Cloud.
Wer wissenschaftliche Workflows über den Google Cloud Marketplace nutzt, kann Google Gemini für Sprache, Bedienung und allgemeines Schlussfolgern einsetzen. Die quantitativen Modelle übernehmen dann die eigentliche Berechnung und die Analyse, die Fachwissen aus der jeweiligen Domäne verlangt.
Als erste Modelle sollen nach Angaben von Google Cloud AQCat und später AQPotency in den Marketplace einziehen. AQCat ist auf Material- und Katalysatorforschung zugeschnitten, AQPotency auf die Wirkstoffentwicklung.
Schon kleine Fortschritte bei der Vorauswahl von Kandidaten sparen in diesen Bereichen viel Zeit und Geld. Auch wirtschaftlich ist das reizvoll: Der Markt für Wirkstoffforschung wurde 2025 laut Google Cloud auf rund 112 Milliarden geschätzt und könnte bis 2034 auf etwa 187 Milliarden wachsen. Für Google Cloud ist das ein lukratives Zielsegment, gerade weil auch andere große Cloud-Anbieter um wissenschaftliche Workflows konkurrieren.
Grenzen allgemeiner Sprachmodelle
Die Kooperation macht nebenbei auch sichtbar, wo aktuelle Sprachmodelle an ihre Grenzen kommen. Große Sprachmodelle sind stark, wenn es um Text geht, bei exakten Zahlen oder naturwissenschaftlichen Zusammenhängen aber deutlich weniger verlässlich.
In vielen Forschungsprozessen genügt ein sauber formulierter Absatz eben nicht, wenn am Ende eine präzise molekulare Struktur, ein Energiewert oder ein Materialprofil gebraucht wird. Deshalb werden spezialisierte Modelle wichtiger, die auf Messungen, Simulationen und konkrete Fachdomänen zugeschnitten sind.
Gemini for Science
Google hat außerdem, so Google Cloud, Gemini for Science vorgestellt. Das Paket für wissenschaftliche Arbeitsabläufe umfasst unter anderem den AI Co-Scientist, den Coding-Agenten AlphaEvolve, einen Assistenten für empirische Forschung und NotebookLM.
Laut Google geht es darum, repetitive und zeitintensive Schritte zu beschleunigen, nicht darum, Forschende zu ersetzen. Das fügt sich in Googles breiter angelegte Wissenschaftsstrategie ein, zu der auch Google-DeepMind-Arbeiten zur Proteinstruktur und Systeme zur Entdeckung neuer Materialien gehören.
Google folgt damit auch einem breiteren Trend: spezialisierte Modelle von Partnern über Cloud-Plattformen anzubieten, statt jede Fähigkeit selbst im Haus zu entwickeln.
Downloads: Download Google Cloud für Web