ChatGPT von OpenAI hat für die Memory-Funktion derzeit eine wirklich bequeme Import- noch Exportmöglichkeit. Wer deshalb von ChatGPT zu Google Gemini oder Anthropic Claude wechseln möchte, macht sich das unnötig schwer. Und das ausgerechnet in einem Moment, in dem der Konkurrenzkampf unter KI-Assistenten deutlich Fahrt aufnimmt. ChatGPT gehört zwar immer noch zu den meistgenutzten Angeboten, aber Google Gemini und Anthropic Claude haben spürbar aufgeholt. Schätzungen aus der Branche gehen sogar davon aus, dass der Marktanteil von ChatGPT bei KI-Assistenten Anfang 2026 unter die Marke von 50 Prozent gerutscht ist.
Memory lässt sich nur eingeschränkt übertragen
Für den sogenannten Memory-Bereich von ChatGPT gibt es im Moment keine richtige Umzugsfunktion. In den Einstellungen lässt sich die Erinnerungsfunktion im Kern nur aktivieren oder deaktivieren, dazu können Sie sich eine Zusammenfassung der gespeicherten Informationen anzeigen lassen. Eine saubere Import- oder Exportlösung für genau diesen Bereich fehlt weiterhin.
Im Alltag bleibt deshalb meist nur Handarbeit.
Wenn Sie Informationen aus ChatGPT in einen anderen Assistenten mitnehmen wollen, müssen Sie die Memory-Zusammenfassung kopieren und beim anderen Chatbot wieder einfügen. In die andere Richtung ist es kaum weniger umständlich. Wenn ChatGPT bestimmte Vorlieben, Arbeitsweisen oder persönliche Hintergründe kennen soll, müssen Sie diese Informationen meist direkt eintippen, statt sie einfach per Datei zu importieren.
Anthropic Claude und Google Gemini sind an diesem Punkt zum Teil schon weiter. Beide zeigen, dass eingebaute Importfunktionen langsam zu einem echten Komfortmerkmal werden. Datenportabilität ist damit längst mehr als ein nettes Extra, sie wird zu einem handfesten Wettbewerbsfaktor.
Was „Memory“ bei Chatbots überhaupt bedeutet
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen gespeicherten Erinnerungen und dem Chatverlauf. Der Speicher eines Chatbots ist keine lückenlose Chronik sämtlicher Gespräche, sondern eher eine kuratierte Sammlung aus Vorlieben, persönlichen Angaben und wiederkehrendem Kontext.
Darin landen zum Beispiel bevorzugte Schreibstile, berufliche Hintergründe, Ernährungsgewohnheiten oder typische Aufgaben. Solche Systeme halten oft eher einzelne Fakten fest als komplexe Gedankengänge oder einen tieferen argumentativen Zusammenhang. Wer diesen Speicher überträgt, nimmt also nicht automatisch die komplette „Beziehung“ zu einem Chatbot mit.
Der Datenexport hilft nur bedingt weiter
OpenAI bietet für Ihr Konto zwar einen vollständigen Datenexport an. In der Regel kommt per E-Mail ein Download-Link mit Dateien im JSON- oder HTML-Format. Für den Umzug der Memory-Daten bringt das allerdings nur begrenzt etwas.
Der Grund ist simpel: Sie erhalten einen Komplett-Export, aber kein klar abgegrenztes Paket, das nur die gespeicherten Erinnerungen enthält. Wenn Sie daraus die Angaben herausziehen wollen, die tatsächlich relevant sind, müssen Sie meistens selbst sortieren, filtern und aufräumen.
Der Datenschutz bleibt das größte Problem
Exportierte Chatverläufe können sensible persönliche Informationen enthalten, interne berufliche Details oder andere vertrauliche Inhalte.
Sobald Sie solche Daten zwischen Plattformen verschieben oder dafür Werkzeuge von Drittanbietern nutzen, entstehen zusätzliche Angriffsflächen, von Datenlecks bis zu Social-Engineering-Angriffen.
Trotzdem dürfte der Druck auf die Anbieter weiter steigen. Branchenprognosen rechnen damit, dass der weltweite Chatbot-Markt bis 2030 auf rund 27 bis 32 Milliarden anwächst. Nutzerumfragen zeigen außerdem, dass etwa 80 Prozent der Verbraucher schon mindestens einmal einen Chatbot verwendet haben. Je stärker diese Dienste in den Alltag hineinrutschen, desto lauter wird auch der Ruf nach echter Datenhoheit und nach standardisierten Funktionen für den Umzug.