Disneys Live-Action-Remake „Moana“ ist zum Start in Nordamerika klar schwächer angelaufen als erhofft und steht damit schon nach dem ersten Wochenende unter Druck. In frühen Branchenprognosen war zunächst noch von 60 bis 75 Millionen Dollar die Rede, kurz vor dem Kinostart wurden die Erwartungen in neueren Tracking-Schätzungen dann aber nur noch auf 40 bis 46 Millionen Dollar nach unten korrigiert.
Für das Projekt ist das ein heikler Auftakt. Berichten zufolge hat „Moana“ in der Produktion rund 250 Millionen Dollar gekostet; weltweit müsste der Film nach Einschätzung von Branchenanalysten ungefähr 625 Millionen Dollar einspielen, um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen.
Vorpremieren liefern ein Warnsignal
Ein erstes Warnzeichen gab es schon bei den Vorpremieren am Donnerstag. Laut Branchenberichten spielte „Moana“ dabei rund 4,5 Millionen Dollar ein. Das ist zwar mehr als bei einigen jüngeren Disney-Remakes wie „Snow White“, liegt Berichten zufolge aber deutlich hinter „The Little Mermaid“, das allein in den Vorpremieren auf 10,3 Millionen Dollar kam.
In Hollywood gelten solche Zahlen als früher Hinweis darauf, wie groß die Nachfrage am ersten Wochenende wirklich ist.
Bei „Moana“ zeichnete sich da schon ab, dass der Film wohl nicht die Zugkraft entwickeln würde, auf die Disney offenbar gesetzt hatte.
Schwache Kritiken belasten zusätzlich
Dazu kommt die verhaltene bis schlechte Resonanz der Kritiker. Auf Rotten Tomatoes lag „Moana“ zuletzt bei nur 36 Prozent und gehört dort damit zu den am schwächsten bewerteten Disney-Live-Action-Remakes der vergangenen Jahre.
Vor allem fehlt dem Film aus Sicht vieler Kritiker eine eigene kreative Handschrift. Einige sehen in ihm in erster Linie eine blassere Neuauflage des Animationshits, ohne dessen Schwung oder emotionale Wucht zu erreichen.
Gerade bei einer Marke, die dem Publikum noch sehr präsent ist, wird so ein Eindruck schnell zum echten Problem.
Besetzung sorgt für gemischte Reaktionen
Auch die Reaktionen auf die Besetzung fallen nicht einheitlich aus. Dwayne Johnson ist zwar wieder als Maui dabei, mehrere Kritikerstimmen empfinden seine Live-Action-Version aber als weniger charmant und weniger dynamisch als die animierte Figur.
Besser kommt dagegen Newcomerin Catherine Laga’aia weg. Ihre Moana zählt in den ersten Reaktionen zu den stärkeren Elementen des Films; einige Kritiker heben ihre Darstellung sogar als emotionalen Anker der Neuverfilmung hervor.
Mehrere Gründe für den verhaltenen Start
Beobachter nennen dafür mehrere mögliche Gründe. Dazu gehört unter anderem, dass „Moana 2“ erst vor vergleichsweise kurzer Zeit erschienen ist. Hinzu kommen Trailer, die viele Fans eher enttäuscht haben, und die schnell einsetzende negative Kritikerresonanz, die den Kinostart zusätzlich belastet haben dürfte.
Ganz aussichtslos ist die Lage trotzdem nicht. Laut CinemaScore bekam der Film ein A-, außerdem fielen die verifizierten Zuschauerreaktionen bei Rotten Tomatoes eher gemischt bis positiv aus. Ob das schon für eine tragfähige Mundpropaganda reicht, ist allerdings offen.
Klar ist nur: Dieser verhaltene Start verschärft die Debatte über Disneys Live-Action-Kurs.
Nach Erfolgen wie „Lilo & Stitch“ und Enttäuschungen wie „Snow White“ rückt nun auch „Moana“ als Testfall in den Mittelpunkt, wie belastbar das Remake-Modell beim Publikum überhaupt noch ist.