Die Europäische Kommission hat Google wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act, kurz DMA, mit 890 Millionen Euro bestraft. Davon entfallen 460 Millionen Euro auf sogenanntes Self-Preferencing in der Google-Suche und 430 Millionen Euro auf Anti-Steering-Regeln im Google Play Store für Android. Es ist die erste DMA-Strafe gegen Google und nach bisherigem Stand zugleich die höchste Geldbuße, die auf Grundlage des neuen EU-Gesetzes verhängt wurde.
Aufteilung der Strafe
460 Millionen Euro setzt die Kommission für das beanstandete Self-Preferencing in der Google-Suche an, weitere 430 Millionen Euro für Anti-Steering-Regeln in Google Play auf Android. Damit markiert der Fall gleich zwei Premieren: Es ist die erste DMA-Strafe gegen Google und zugleich die bislang höchste Buße unter dem neuen Regelwerk.
Google war von der Kommission bereits 2023 für Google Search, Android, Chrome und Google Play als Gatekeeper eingestuft worden. Verbindlich wurden die entsprechenden Pflichten im März 2024. Kurz danach nahm das Verfahren seinen Lauf.
Vorwurf in der Suche
Aus Sicht der Kommission hat Google eigene Dienste in den Suchergebnissen prominenter platziert als konkurrierende Angebote. Genannt werden unter anderem Shopping-, Hotel-, Transport- und Sportdienste. Für Gatekeeper gilt bei der Google-Suche, dass sie transparente, faire und diskriminierungsfreie Bedingungen anwenden müssen. Genau daran fehlt es nach Auffassung der Behörde in diesem Fall.
Beschwert hatten sich vor allem Preisvergleichsseiten und spezialisierte Suchdienste. Sie kritisieren seit Jahren, dass Google seine eigenen Angebote in den Ergebnissen bevorzugt nach vorn schiebt.
Vorwurf im Play Store
Beim Google Play Store für Android wirft die Kommission dem Konzern vor, Entwickler mit Gebührenmodellen und Vertragsklauseln daran gehindert zu haben, Nutzer frei auf günstigere Kaufoptionen außerhalb des Stores hinzuweisen. Im Kern geht es um die Frage, ob Entwickler ohne Nachteile auf alternative Bezahlwege verweisen dürfen. Nach Ansicht der Kommission war das bei Google nicht in ausreichendem Maß möglich.
Google widerspricht
Google weist die Entscheidung zurück. Kent Walker verantwortet bei Google den Bereich Global Affairs. Er bezeichnete das Urteil als unfair und warnte, die geforderten Änderungen könnten die Produkte für Nutzer verschlechtern.
Ganz untätig war Google in der Sache allerdings nicht. In Europa hat der Konzern bereits neue Layouts für Suchergebnisse getestet und außerdem die Steering-Bedingungen im Play Store angepasst. Die Kommission spricht in diesem Zusammenhang von substanziellen Fortschritten bei der Einhaltung der Vorgaben.
60 Tage Frist
Für Google läuft ab sofort eine Frist von 60 Tagen, um beide Praktiken zu beenden. Passiert das nicht, drohen zusätzliche Zwangsgelder von bis zu 5 Prozent des durchschnittlichen täglichen weltweiten Umsatzes von Alphabet, also der Google-Muttergesellschaft. Nach den DMA-Regeln sind bei einem ersten Verstoß grundsätzlich Bußgelder von bis zu 10 Prozent des globalen Jahresumsatzes möglich, im Wiederholungsfall sogar bis zu 20 Prozent.
Mehr Druck auf Big Tech
Der Fall gehört zu einer breiteren DMA-Offensive gegen große Plattformen. Bereits im April 2025 verhängte die Europäische Kommission nach eigenen Angaben 500 Millionen Euro gegen Apple und 200 Millionen Euro gegen Meta.
Mit der Entscheidung gegen Google verschärft Brüssel den Ton weiter. Politisch ist das heikel. Kritiker in den USA werfen der EU vor, mit dem DMA vor allem amerikanische Technologiekonzerne ins Visier zu nehmen. Für europäische Wettbewerber und App-Entwickler ist der Schritt dagegen ein klares Signal: Die neuen Regeln sollen nicht nur auf dem Papier gelten, sondern auch mit harten Sanktionen durchgesetzt werden.