Microsoft prüft für den Microsoft-365-Dienst Copilot Cowork derzeit eine günstigere Modelloption. Nach Angaben des Unternehmens gehört DeepSeek V4 zu den Kandidaten.
Hohe Kosten bei agentischen Funktionen
Dafür testet Microsoft nach eigenen Angaben eine selbst gehostete Version von DeepSeek V4, möglicherweise aber auch ein anderes offen verfügbares Modell. Eine billigere Variante für Kunden soll nach Unternehmensangaben schon in den nächsten Wochen bereitstehen.
Der Auslöser ist vor allem ein wirtschaftlicher. Copilot Cowork arbeitet bei komplexeren, agentischen Aufgaben anders als ein gewöhnlicher Chatbot: Das System greift immer wieder auf Modelle, Datenquellen und Werkzeuge zu.
Wenn solche Assistenten viele Aufgaben übernehmen, schießen die Rechenkosten schnell nach oben. Charles Lamanna, einer der wichtigsten Manager für Microsofts Business-Anwendungen, sagte dazu, dass manche Nutzer auf diese Weise Hunderte Aufgaben pro Woche abarbeiten. Für Microsoft ist das also nicht allein eine technische Frage, sondern auch ein betriebswirtschaftliches Problem.
Nutzungsabhängige Preise für Copilot Cowork
Microsoft baut deshalb nach eigenen Angaben auch das Preismodell von Copilot Cowork um. Ein fixer Monatspreis soll demnach schrittweise durch eine nutzungsabhängige Abrechnung ersetzt werden. Abgerechnet würden dann unter anderem die Modellnutzung, der Abruf von Kontext, Werkzeugaufrufe und die Laufzeit. Arbeitet das zugrunde liegende Modell günstiger, verbessert das für Microsoft entsprechend auch die Marge.
DeepSeek V4 als kostengünstigere Alternative
Genau an diesem Punkt wird DeepSeek V4 interessant. Bislang stützt sich Copilot Cowork nach Angaben von Microsoft vor allem auf Modelle von OpenAI und Anthropic.
Beide Anbieter haben ihre Preise angehoben und zugleich großzügigere, fast flatrateartige Angebote inzwischen zurückgenommen. DeepSeek V4 gilt unter Entwicklern dagegen als deutlich günstiger im Betrieb und lässt sich als offen verfügbares Modell breit einsetzen. Für Microsoft könnte das bei Copilot Cowork in Microsoft 365 einen spürbaren Kostenvorteil bedeuten.
Hosting in Azure soll politische Bedenken ausräumen
Politisch ist die Sache trotzdem heikel, weil DeepSeek aus China kommt. In Washington wächst das Misstrauen gegenüber chinesischen KI-Modellen.
Dabei geht es unter anderem um mögliche Verbote, Fragen der nationalen Sicherheit, Exportkontrollen und Chinas Zugang zu leistungsfähigen Rechensystemen.
Microsoft will diese Vorbehalte nach eigenen Angaben über das Hosting-Modell auffangen. Eine mögliche DeepSeek-Variante wäre optional und würde innerhalb von Azure laufen.
Die Kundendaten blieben damit, so Microsoft, in der eigenen Cloud des Unternehmens und fielen weiter unter die bestehenden Vorgaben für Sicherheit, Compliance und Datenresidenz. Außerdem will Microsoft das Modell anpassen und mit eigenen Schutzmechanismen ergänzen. Dazu gehören auch Maßnahmen, die Verzerrungen verringern sollen.
Mehr Unabhängigkeit von OpenAI
Die Überlegungen passen außerdem zu Microsofts größerer Strategie, sich nicht von nur einem Modellanbieter abhängig zu machen. Nach den Spannungen rund um OpenAI setzt Microsoft sichtbar stärker auf ein Modell-Ökosystem mit mehreren Anbietern. Satya Nadella hatte mehrfach gesagt, dass der Wert dieses Marktes nicht bei nur wenigen Forschungslaboren konzentriert bleiben sollte. Auch an der Börse wächst der Druck, weil die Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur hoch sind. Analysten schauen deshalb immer genauer darauf, wann sich diese Ausgaben in besseren Renditen niederschlagen.
Quelle: Microsoft