Microsoft sieht sich in den USA seit dem 12. Juni mit einer Aktionärsklage vor dem U.S. District Court for the Western District of Washington konfrontiert. Die Kläger sagen, der Konzern habe Anlegern kein vollständiges Bild vom nachlassenden Wachstum der Cloud-Plattform Microsoft Azure und vom dafür nötigen Investitionsbedarf gegeben. Teilweise seien die Aussagen sogar irreführend gewesen.
Klage gegen Microsoft in Washington
Wie aus den Unterlagen des U.S. District Court for the Western District of Washington hervorgeht, wurde die Wertpapier-Sammelklage am 12. Juni dort eingereicht.
Als Kläger tritt das City of St. Clair Shores Police and Fire Retirement System auf. Es will Anleger vertreten, die zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 28. Januar 2026 Microsoft-Aktien im Depot hatten.
Im Zentrum der Klage steht der Vorwurf, Microsoft, CEO Satya Nadella und Finanzchefin Amy Hood hätten Investoren mit unvollständigen oder irreführenden Aussagen ein zu positives Bild vermittelt. Nach Darstellung der Kläger soll der Konzern die Abschwächung des Wachstums von Microsoft Azure verschleiert haben. Gleichzeitig sei der Umfang der dafür notwendigen Infrastrukturinvestitionen kleingeredet worden.
Nach Sicht der Kläger hat genau das den Aktienkurs künstlich gestützt. Erst mit den Quartalszahlen sei sichtbar geworden, wie groß das Problem tatsächlich war, so die Kläger.
Am 29. Januar fiel die Microsoft-Aktie um rund 10 Prozent. Das war der stärkste Tagesverlust seit fast sechs Jahren. Laut Klageschrift wurden dabei Börsenwerte von rund 357 Milliarden US-Dollar vernichtet.
Diese Zahlen stehen im Mittelpunkt der Klage
Besonders genau schauen sich die Kläger die jüngsten Finanzkennzahlen an. Microsoft meldete für das Quartal Investitionen von 37,5 Milliarden US-Dollar. Das lag fast 66 Prozent über dem Vorjahreswert und zugleich klar über den 34,3 Milliarden US-Dollar, mit denen Analysten gerechnet hatten.
Zur gleichen Zeit verlangsamte sich das Umsatzwachstum von Microsoft Azure, von 40 Prozent im Vorquartal auf 39 Prozent. Für die ersten Monate des Jahres 2026 stellte das Management nur noch 37 bis 38 Prozent in Aussicht.
Für Anleger rückt damit vor allem diese Kombination in den Vordergrund: höhere Ausgaben, während ausgerechnet das wichtigste Cloud-Geschäft an Tempo verliert.
Streitpunkt Rechenleistung für Microsoft Copilot und Entwicklung
Der Klageschrift zufolge erklärte Microsoft die schwächere Entwicklung von Microsoft Azure mit Kapazitätsengpässen. Entstanden seien diese, weil Rechenressourcen wie CPUs und GPUs in andere Projekte verschoben worden seien, darunter Forschung und Entwicklung sowie Microsoft Copilot.
Genau diese Umverteilung ist aus Sicht der Kläger ein wesentlicher Punkt, den Microsoft früher hätte offenlegen müssen. Hätten Anleger das gewusst, hätten sie sowohl die Entwicklung von Microsoft Azure als auch die Kostenstruktur des Konzerns anders eingeschätzt.
Microsoft weist die Vorwürfe zurück
Microsoft hat die Klage bereits zurückgewiesen. Das Unternehmen nennt die Vorwürfe „ohne Grundlage“, verweist auf die Integrität seiner öffentlichen Aussagen und kündigt an, sich vor Gericht mit Nachdruck zu verteidigen.
Der Fall kommt in einer Phase, in der Microsoft weltweit enorme Summen in den Ausbau seiner Infrastruktur steckt. Dazu gehören unter anderem eine Zusage über 25 Milliarden australische Dollar für neue Kapazitäten in Australien sowie weitere Microsoft-Azure-Verpflichtungen im Umfang von 250 Milliarden US-Dollar aus dem Umfeld wichtiger Partnerschaften.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass solche Aktionärsklagen nach deutlichen Kurseinbrüchen zwar oft folgen, vor Gericht aber schwer durchzubringen sind.
Die Kläger müssen belegen, dass Microsoft wissentlich falsche oder irreführende Angaben gemacht oder wesentliche Informationen verschwiegen hat. Außerdem müssen sie zeigen, dass genau daraus ihre Verluste entstanden sind. Der Fall berührt damit auch eine größere Frage: Wie offen müssen große Technologiekonzerne über Renditen, Risiken und Nebenwirkungen ihrer milliardenschweren Infrastruktur-Offensive informieren?
Quelle: U.S. District Court for the Western District of Washington
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