Ramp und Revelio Labs haben eine Studie dazu veröffentlicht, wie sich künstliche Intelligenz auf Jobs in US-Unternehmen auswirkt. Für die im Juni 2026 vorgelegte Auswertung wurden 21.559 US-Unternehmen untersucht. Besonders aufschlussreich ist dabei der Vergleich zwischen vorsichtigen und entschlossenen Anwendern: Firmen mit hoher Nutzung von künstlicher Intelligenz bauten ihre Belegschaft in den zwei Jahren nach der Einführung laut Studie im Schnitt um 10,2 Prozent aus. Bei Unternehmen mit geringer Nutzung ließ sich dagegen kein statistisch signifikanter Effekt auf die Beschäftigung feststellen.
künstliche Intelligenz und Jobs: Starke Nutzer stellten mehr Menschen ein
Gerade die Unternehmen, die künstliche Intelligenz besonders intensiv einsetzten, stellten später mehr Personal ein. In den ersten drei Monaten nach der Einführung lagen ihre Ausgaben im Schnitt bei rund 33 Dollar pro Mitarbeiter und Monat. Unternehmen mit geringer Nutzung kamen dagegen nur auf etwa 3 Dollar pro Mitarbeiter und Monat. In dieser Gruppe zeigte sich laut der Studie auch kein statistisch signifikanter Effekt auf die Beschäftigung.
Das passt nicht zu der verbreiteten Annahme, dass der Einsatz von Systemen für künstliche Intelligenz kurzfristig vor allem Stellen abbaut. Die Untersuchung von Ramp und Revelio Labs spricht eher dafür, dass sich der Nutzen erst mit der Zeit zeigt. Unternehmen müssen die Werkzeuge erst einbinden, passende Anwendungsfälle finden und ihre Abläufe umbauen. Erst dann kann zusätzlicher Personalbedarf entstehen.
Mehr Einstiegsjobs, und nicht nur in Tech-Teams
Besonders spannend ist der Blick auf Berufseinsteiger. Bei den starken Nutzern stieg die Zahl der Einstiegsjobs laut der Studie von Ramp und Revelio Labs um rund 12 Prozent. Das widerspricht der oft geäußerten Sorge, dass gerade Junior-Rollen als Erste unter Druck geraten.
Der Beschäftigungsaufbau blieb außerdem nicht auf Spezialisten für künstliche Intelligenz oder Softwareentwicklung begrenzt. Zuwächse gab es laut der Studie von Ramp und Revelio Labs unter anderem im Vertrieb, im Marketing, in der Administration, in den Finanzen und im Kundenservice. In solchen Bereichen scheint künstliche Intelligenz zusätzliche Produktivität freizusetzen, aus der dann weiteres Wachstum entsteht.
Warum der Effekt nicht sofort sichtbar wird
Die Autoren von Ramp und Revelio Labs betonen, dass so eine Entwicklung Zeit braucht. Unternehmen profitieren nicht schon in dem Moment, in dem sie neue Systeme einkaufen. Der Nutzen zeigt sich erst dann, wenn diese Werkzeuge im Alltag tatsächlich etwas bringen. Das könnte erklären, warum in vielen Firmen zunächst Unsicherheit vorherrscht, bevor sich konkrete Einstellungspläne abzeichnen.
Trotzdem bleibt das Bild am Arbeitsmarkt widersprüchlich
Eine generelle Entwarnung für den gesamten Arbeitsmarkt lässt sich daraus trotzdem nicht ableiten. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 verloren der US-Finanzsektor und der US-Informationssektor im Schnitt 28.000 Jobs pro Monat, obwohl der Arbeitsmarkt insgesamt weiter wuchs.
Andere Daten zeichnen ein härteres Bild: Challenger zählte 2026 bislang fast 102.000 angekündigte Stellenstreichungen mit Bezug zu dieser Technologie. Andere Studien kommen wiederum zu dem Ergebnis, dass Beschäftigung eher dort wächst, wo Systeme Menschen unterstützen, statt Aufgaben vollständig zu ersetzen.
Offen bleibt damit vor allem die langfristige Wirkung. Die neue Untersuchung von Ramp und Revelio Labs betrachtet nur die ersten zwei Jahre nach der Einführung. Was das auf längere Sicht für Löhne, Karrierewege oder Ungleichheit bedeutet, lässt sich daraus noch nicht ableiten.