Resident-Evil-Schöpfer Shinji Mikami hat sich laut dem japanischen Entertainer Eika Kano zum Streaming von Videospielen geäußert und dabei eine ziemlich unangenehme Frage in den Raum gestellt: Reicht es einem Spiel noch, wenn man nach einem kompletten Stream überhaupt keinen Drang mehr hat, selbst zum Controller zu greifen?
Shinji Mikami über Streams und die Qualität von Spielen
Mikami sieht das ziemlich eindeutig.
Wenn sich ein Spiel komplett im Stream weggucken lässt und Zuschauer hinterher das Gefühl haben, ihnen fehle nichts, obwohl sie nie selbst gespielt haben, dann ist das laut Shinji Mikami, so berichtet es Eika Kano, kein besonders gutes Zeichen für die Qualität dieses Spiels.
Genau da sitzt der Stachel.
Spiele werden schon lange nicht mehr nur gespielt. Sie laufen millionenfach auf Twitch, YouTube und in Let’s Plays, oft von Anfang bis Ende.
Eika Kano zufolge formuliert Shinji Mikami den Anspruch deshalb noch schärfer.
Entwickler sollten Spiele so bauen, sagt Kano über Mikamis Sicht, dass man sie auch dann noch selbst erleben will, wenn man vorher schon gesehen hat, wie jemand anderes sie bis zum Ende durchspielt.
Singleplayer-Spiele geraten dabei besonders unter Druck
Gerade Singleplayer- und Story-Spiele trifft dieser Maßstab an einer empfindlichen Stelle.
Sobald Überraschungen, Wendungen oder Schockmomente bekannt sind, steht fast automatisch die Frage im Raum, ob Zuschauen schon reicht oder ob das eigentliche Spielerlebnis trotzdem noch genug Kraft hat.
Mikamis Aussage ist deshalb auch eine direkte Ansage an Entwickler, die heute mit der Wirklichkeit von Streaming-Plattformen umgehen müssen.
Streaming gehört inzwischen fest zum Medium
Wie groß das Thema geworden ist, zeigen aktuelle Zahlen ziemlich deutlich.
Laut MIDiA Research verbringen Gamer im Jahr 2024 durchschnittlich 8,5 Stunden pro Woche mit Gaming-Videos, aber nur 7,4 Stunden mit dem tatsächlichen Spielen.
Auf den Streaming-Plattformen selbst stehen zur selben Zeit vor allem Multiplayer-Titel im Vordergrund.
Im ersten Quartal 2025 lag Counter-Strike bei der Esports-Viewership auf Twitch mit fast 100 Millionen gesehenen Stunden vorn.
Auch League of Legends, Grand Theft Auto V und Valorant zählten weiter zu den meistgesehenen Spielen.
Bei solchen Titeln liegt der Mehrwert für Zuschauer unter anderem darin, dass kein Match exakt gleich abläuft.
Singleplayer bleibt trotzdem gefragt
Trotzdem sind Einzelspieler-Spiele nach wie vor gefragt.
Laut Ampere Analysis bevorzugten im zweiten Quartal 2025 56 Prozent der 34.000 befragten Spieler in 22 Ländern Singleplayer-Titel.
In den USA lag dieser Wert laut Ampere Analysis bei 65 Prozent, in Japan bei 63 Prozent und im Vereinigten Königreich bei 58 Prozent.
Auch erzählerische Spiele kommen auf Twitch auf hohe Reichweiten.
God of War Ragnarök erreichte zum Start auf Twitch mehr als 480.000 gleichzeitige Zuschauer.
Baldur’s Gate 3 kam am Releasetag auf Twitch auf 3,7 Millionen gesehene Stunden und in der Spitze auf mehr als 481.000 Zuschauer.
Mit dieser Sorge steht Mikami nicht allein
Mit seiner Einschätzung ist Shinji Mikami keineswegs der Einzige.
Auch Yuji Horii hat laut Eika Kano ähnliche Bedenken geäußert.
Naoki Hamaguchi soll es Eika Kano zufolge sogar als „Krise“ bezeichnet haben, wenn Spieler ein Rollenspiel lieber anschauen, statt es selbst zu spielen.
Natürlich gibt es viele Gründe, Spiele per Stream zu verfolgen.
So lässt sich besser einschätzen, ob sich ein Kauf lohnt. Man kann ein Spiel miterleben, das man sich im Moment nicht leisten kann, Genres verfolgen, die man selbst nie anfassen würde, oder einfach den eigenen Lieblings-Creatorn zuschauen.
Hohe Watchability ist deshalb nicht automatisch ein Hinweis auf geringe Qualität.
Mikami schießt also nicht gegen Streaming an sich. Er erinnert eher an das, was Spiele von anderen Medien trennt: Ein Game sollte mehr sein als bloß ein gutes Video.