Autonome Software-Agenten halten laut Gartner in hohem Tempo Einzug in Unternehmen. Mit der breiteren Nutzung wachsen laut Gartner und einer weiteren im Text zitierten Studie aber auch die Risiken bei Sicherheit, Haftung und Compliance.
Rasantes Wachstum, steigendes Risiko
Gartner geht davon aus, dass noch in diesem Jahr rund 40 Prozent der Unternehmensanwendungen aufgabenspezifische Agenten enthalten werden. Im Vorjahr lag dieser Anteil laut Gartner erst bei etwa 5 Prozent. Andere Studien kommen auf einen ähnlichen Wert und rechnen bis Ende 2026 ebenfalls mit einer Verbreitung von 40 Prozent, ausgehend von weniger als 5 Prozent im Jahr 2025.
Mit dem Boom steigt allerdings auch das Risiko. Einer der zitierten Untersuchungen zufolge haben 47 Prozent der Unternehmen bereits einen Sicherheitsvorfall erlebt, der mit einem Agenten zusammenhing. In derselben Untersuchung sagen 43 Prozent, dass mehr als die Hälfte ihrer Beschäftigten solche Werkzeuge täglich nutzt. Ebenfalls 43 Prozent arbeiten laut dieser Studie parallel mit vier oder mehr Plattformen. Die Mischung aus hohem Tempo, großer Tool-Vielfalt und wenig Transparenz macht die Entwicklung heikel.
Direkte Anbindungen hebeln bestehende Kontrollen aus
Richtig problematisch wird es, wenn Agenten direkt mit Datenbanken, APIs und internen Workflows verbunden sind. Das macht Abläufe zwar schneller, kann in der Praxis aber Schutzmechanismen aushebeln, die über Jahre gewachsen sind. Dazu zählen Freigabeprozesse, das Vier-Augen-Prinzip, Funktionstrennung und dokumentierte Audit-Trails.
Wenn ein Agent direkt im Backend eingreift, lässt sich oft nur noch schwer nachvollziehen, wer eine bestimmte Aktion angestoßen hat, warum eine Entscheidung so gefallen ist und ob interne Vorgaben eingehalten wurden. Für Unternehmen in regulierten Branchen geht es deshalb längst nicht mehr nur um Effizienz, sondern vor allem um Nachvollziehbarkeit, Haftung und Compliance.
UI-first sorgt für mehr Revisionssicherheit
Viele Sicherheitsexperten halten deshalb einen UI-first-Ansatz für die vernünftigere Wahl. Dabei arbeiten Agenten so wie menschliche Mitarbeitende: Sie melden sich mit regulären Zugangsdaten an, nutzen die bestehende Benutzeroberfläche und gehen die vorhandenen Prozesse Schritt für Schritt durch. Damit unterliegen sie denselben Prüfungen, Berechtigungen, Freigaben und Protokollierungen.
Der große Vorteil: Unternehmen können die Kontrollmechanismen weiterverwenden, die sie über Jahre aufgebaut haben. Statt neue Sonderwege ins System zu schaffen, bewegt sich der Agent auf derselben Strecke wie ein Mensch. Das schließt Governance-Lücken eher, als neue zu öffnen, und erhöht die Revisionssicherheit.
Altsysteme und Schatten-Tools verschärfen die Situation
Gerade bei älteren, geschäftskritischen Plattformen ist dieser Ansatz oft praktischer, weil sich sichere Schnittstellen nur mit hohem Aufwand, viel Zeit und zusätzlichem Risiko nachrüsten lassen. Dazu kommt, dass viele Schutzmechanismen direkt in der Oberfläche verankert sind, etwa Plausibilitätsprüfungen, Pflichtfelder oder rollenabhängige Freigaben. Ein Agent, der über die Benutzeroberfläche arbeitet, muss diese Regeln automatisch einhalten.
So wird auch vermieden, dass unnötig rohe Backend-Daten offengelegt werden oder Geschäftslogiken, die über Jahre gewachsen sind, komplett neu gebaut werden müssen. Der Nachteil: Solche Agenten arbeiten normalerweise langsamer als direkte Systemaufrufe. In stark regulierten Umgebungen wiegt zusätzliche Kontrolle aber oft schwerer als maximale Geschwindigkeit.
Dazu kommen unkontrollierte Einzellösungen. Wenn Beschäftigte nicht freigegebene Werkzeuge nutzen oder mehrere Plattformen parallel einsetzen, steigen die Risiken: Datenabfluss, schwache zentrale Steuerung und kompromittierte Zugangsdaten. Besonders kritisch wird es dann, wenn Agenten systemübergreifend handeln, ohne dass eine einheitliche Aufsicht greift.
Fachleute empfehlen deshalb, Software-Agenten wie digitale Mitarbeitende zu behandeln: mit verwalteten Identitäten, klar definierten Rollen und denselben Sicherheitsrichtlinien, die auch für Menschen gelten. Nur so lässt sich das Potenzial dieser Werkzeuge nutzen, ohne Transparenz, Datenschutz und Verantwortlichkeit aufs Spiel zu setzen.
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