Wistron hat nach eigenen Angaben am 21. Juli in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas seine erste Fabrik in den USA eröffnet. Dort ist auch die Massenproduktion von Nvidias GB300-Grace-Blackwell-Ultra-Systemen angelaufen. Der taiwanische Auftragsfertiger holt damit einen Teil der Nvidia-Produktion in die Vereinigten Staaten und will das Tempo noch 2025 spürbar anziehen.
Wistron bringt Nvidia-Fertigung nach Texas
Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um die erste Anlage in den USA, in der diese Nvidia-Plattform in großem Stil montiert wird. Für Wistron selbst ist das ein großer Schritt. Die Fabrik hat laut Unternehmen rund 700 Millionen US-Dollar gekostet und kommt auf etwa 30.100 Quadratmeter Fläche.
Noch in diesem Jahr soll die Produktion laut Wistron deutlich ausgeweitet werden. Das Unternehmen nennt als Ziel Zehntausende Rechenboards pro Monat.
Mit dem Anlauf in Fort Worth reiht sich Wistron in eine breitere Verschiebung von Fertigungskapazitäten Richtung USA ein. Nvidia hatte 2025 angekündigt, in den nächsten vier Jahren bis zu 500 Milliarden US-Dollar in Infrastruktur und Produktion in den Vereinigten Staaten zu stecken.
Dass nun auch wichtige Zulieferer in Texas ihre Präsenz ausbauen, gehört genau zu dieser Linie.
Auch für kommende Nvidia-Plattformen geplant
Die Rolle des Standorts endet nicht bei der aktuellen Generation. Wistron zufolge soll die Fabrik später auch Nvidias nächste Plattform mit dem Codenamen Vera Rubin fertigen.
Fort Worth wird damit zu einem wichtigen Punkt auf der Karte für kommende Systeme aus dem Bereich Hochleistungsrechnen und Rechenzentrumshardware.
Produktion soll schnell wachsen
Wistron hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 500 Stellen an dem neuen Standort geschaffen. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Beschäftigten laut Unternehmen auf rund 1.000 steigen.
Für die Region Fort Worth ist das mehr als ein Projekt mit Signalwirkung. Es ist ein handfester Ausbau von Industrie vor Ort.
Die Fabrik läuft intern unter dem Namen D1 AI Smart Factory. Auffällig ist vor allem der hohe Automatisierungsgrad. Wistron gibt ihn mit rund 60 Prozent an.
Schon bevor gebaut wurde, hatte Wistron die Anlage nach eigenen Angaben als vollständigen digitalen Zwilling mit Nvidia Omniverse modelliert. So sollten Abläufe, Materialflüsse und Produktionslinien schon vorab durchgespielt und verbessert werden.
Wichtiger Schritt für Nvidia und die Lieferkette
Dass ein Teil der Fertigung in die USA verlagert wird, soll gleich mehrere Baustellen entschärfen. Kürzere Transportwege können Lieferzeiten berechenbarer machen, Engpässe in der Logistik abfedern und Kunden die Planung erleichtern.
Gerade bei komplexen Rechenzentrumssystemen ist eine Fertigung, die nicht zu stark an wenigen Orten hängt, strategisch viel wert.
Entsprechend sprechen Manager und Branchenbeobachter von einem Signal für eine neue industrielle Phase in den USA. Die Branche entfernt sich ein Stück weit von stark konzentrierter Produktion in wenigen Regionen und setzt mehr und mehr auf Lieferketten, die breiter aufgestellt sind.
Auch an der Börse wurde der Schritt positiv aufgenommen. Berichten zufolge zog die Wistron-Aktie in Taiwan kräftig an, ebenso die Papiere der Wistron-Tochter Wiwynn. Außerdem soll in der Region bereits ein zweiter, größerer Standort unter dem Namen D2 geplant sein.
Für Nvidia-Kunden heißt das am Ende vor allem eins: schneller verfügbare Systeme und weniger Unsicherheit, wenn es um die Auslieferung der stark nachgefragten Hardware geht.